Für Kontinentaleuropäer war Autofahren auf den britischen Inseln schon immer eine Herausforderung. Jetzt bittet London ausländische Verkehrssünder sofort zur Kasse.
Die Straßen sind eng, man fährt auf der falschen Seite, und dann ist da noch der Kreisverkehr: Für Kontinentaleuropäer war das Autofahren auf den britischen Inseln schon immer eine gewisse Herausforderung. Einen Trost immerhin hatten sie: Wenn sie gegen die Straßenverkehrsordnung verstießen, drohten ihnen selten Konsequenzen. Vorausgesetzt sie fuhren mit ihrem nationalen Kennzeichen, konnten sie sich meist folgenlos vor Bußgeld drücken. Eine grenzüberschreitende Strafverfolgung fand nicht statt.
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Linksverkehr in London: Ausländer verursachen in Großbritannien mehr Unfälle als Briten. (© Foto: dpa)
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Doch damit ist es nun bald vorbei. Vom 1. April an erhält die Polizei in Britannien das Recht, in flagranti ertappte ausländische Verkehrsteilnehmer an Ort und Stelle zur Kasse zu bitten. Bis zu 900 Pfund (knapp 1000 Euro) kann das in schweren Fällen kosten. Die Standardbuße für leichtsinniges Fahrverhalten liegt bei 300 Pfund; Geschwindigkeitsübertretungen oder der Handygebrauch werden mit 60 Pfund geahndet.
Wer nicht genug Bares oder keine Kreditkarte dabei hat, muss sein Auto - lahmgelegt mit einer Kralle - zurücklassen, bis er gezahlt hat. In erster Linie richtet sich das Gesetz gegen Lkw-Fahrer, die Gewichtsbestimmungen oder Fahrzeiten überschreiten oder mit defekten Bremsen unterwegs sind.
Der Schritt war notwendig geworden, nachdem sich die Europäische Union kürzlich erneut nicht auf eine in allen Mitgliedsstaaten einheitliche Euro-Knolle verständigen konnte. Und für britische Autofahrer ist die neue Maßnahme nur ausgleichende Gerechtigkeit: Für sie galt bei Touren auf dem Kontinent schon immer Sofortkasse.
Ob es tatsächlich am Linksverkehr liegt oder ob die Ursachen anderswo zu suchen sind: Ausländische Verkehrsteilnehmer verursachen in Großbritannien in der Tat überdurchschnittlich mehr Unfälle als Briten. Nach einer Studie der Londoner Gemeindebezirke ist es um 30 Prozent wahrscheinlicher, dass ein Ausländer in einen Unfall verwickelt wird. Allein 2007 gab es bei Unfällen, die von ausländischen Fahrern verursacht wurden, 400 Tote und Schwerverletzte.
Trotz Roundabouts und Linksverkehr ist Großbritannien bei motorisierten Kontinentaleuropäern ungebrochen beliebt. Jedes Jahr kommen drei Millionen Fahrzeuge ins Land - die meisten aus Polen, an zweiter Stelle stehen die Franzosen, an dritter die Deutschen.
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(SZ vom 07.03.2009)