Lexus NX 300h im Fahrbericht Prinzip Hoffnung

Der Lexus NX 300h kommt im Oktober zu Preisen ab knapp 40.000 Euro auf den Markt.

(Foto: SOM)

Lexus findet in Deutschland gerade einmal 1000 Käufer im Jahr. Mit dem neuen NX will Japans Nobelmarke endlich raus aus dem Schatten. Doch so gut das Auto auch ist: Es gibt gewichtige Gründe, die gegen einen Erfolg sprechen.

Von Michael Specht

Lexus hat es schwer in Deutschland. Nur etwas mehr als 1000 Fahrzeuge im Jahr finden Käufer, eine homöopathische Dosis. Für einen kräftigen Schub soll endlich der neue NX 300h sorgen. Mit ihm sucht Lexus freilich just in dem Segment Käufer, in dem sich die deutsche Premiumkonkurrenz erfolgreich tummelt - vom Audi Q5, über BMW X3 bis zum Mercedes GLK. Da ist die Frage, womit Lexus locken will.

Mit dem expressiven Design vielleicht? Vor allem die aggressive Front des NX dürfte für Diskussionen sorgen. Der Hersteller spricht vom "markentypischen Diabolo-Grill", an dem in Zukunft Lexus-Modelle spontan erkennbar sein sollen. Jedenfalls stemmt derzeit kein Konkurrent ein größeres Gitter in den Fahrtwind, noch dazu in einer so markanten Doppel-Trapezform.

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Hybridantrieb statt Dieselmotor

Bewusst abheben vom mehr oder weniger uniformen Rest will Lexus sich auch über den Antrieb. Während die Wettbewerber in dieser Klasse mehrheitlich Dieselmotoren verkaufen, bieten die Japaner für ihren Crossover ausschließlich einen Hybridantrieb an. Und schaffen es sogar, trotz mehr Leistung (197 PS) weniger CO₂ auszustoßen (116 g/km) - ein Bestwert im Segment. Dafür sorgen in der Basis zwei, gegen Aufpreis sogar drei Motoren. Ein konventioneller 2,5-Liter-Benziner (155 PS) im Verbund mit einer E-Maschine (143 PS) sowie ein optionaler E-Motor (68 PS) auf der Hinterachse. Letzterer schaltet sich immer dann zu, wenn die Traktion oder die Beschleunigung es erfordert und macht den NX zum Allradler.

Das Fahren läuft, bedingt durch ein stufenloses Planetengetriebe, äußerst geschmeidig und zurückhaltend ab. Der NX 300h erzieht zur Gelassenheit, seine Stärke liegt mehr im Komfort und ruhigem Gleiten, wofür nicht zuletzt die abgeregelte Spitze von 180 km/h spricht. Auch der Motor selbst verweigert sich allen sportlichen Ambitionen. Beim Beschleunigen ist er akustisch sehr präsent, Drehzahlniveau und Tempo passen oft nicht zusammen. Die souveräne Elastizität eines Diesels besitzt er nicht.

Im Frühjahr kommt der Zweiliter-Turbobenziner

Schicke Hülle Lexus NX auf der Peking Motorshow 2014

(Foto: STG)

Wohl aber dessen Genügsamkeit. Lexus verspricht einen Normverbrauch von fünf Liter, ein kleiner Toyota Aygo schafft auch nicht weniger. Nach unserer ersten Ausfahrt zeigte das Display allerdings 7,4 Liter an - ein immer noch recht niedriger Wert für ein 1,8 Tonnen schweres SUV. Sportlicher ambitionierte Kunden, denen zwar das Design des NX, nicht aber das alternative Antriebskonzept zusagt, sollten sich noch bis zum Frühjahr gedulden. Dann steht das Modell auch mit einem neu entwickelten 240 PS starken Zweiliter-Turboaggregat beim Händler.

Dass man es bei Lexus mit einer Premiummarke zu tun hat, soll dem Kunden vor allem im Innenraum vor Augen geführt werden. Fein ist das Material, vorbildlich die Verarbeitung. Auch die Bedienung funktioniert einwandfrei, alles geschieht mehr oder weniger intuitiv. So lassen sich beispielsweise die Innenraumbeleuchtung und das Leselicht berührungsfrei ein- und ausschalten. Ein Mikrocomputer ermittelt dabei, wie weit die Hand entfernt ist und schaltet die Leuchten ein- oder aus.

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Praktischer Innenraum

Mit 4,63 Meter ist der NX so lang wie ein Audi Q5. Lexus behauptet dennoch, hinten die größere Beinfreiheit zu bieten. Die Sitzprobe bestätigt das, von Enge keine Spur. Auch beim Kofferraum will man Bestmarken setzen und gibt ein Ladevolumen von 555 bis 1600 Liter an. Tatsächlich nennenswert ist aber die maximale Ladebreite von knapp 1,4 Meter. Das bieten nur wenige andere Autos. Sowohl am Armaturenbrett als auch vom Kofferraum aus lassen sich dabei die Rücksitze innerhalb von zehn Sekunden in eine fast ebene, nur leicht ansteigende Ladefläche verwandeln.

Preislich hält Lexus den NX 300h als Basisversion noch unter der psychologisch wichtigen Marke von 40 000 Euro. Doch dieses einfache Modell verweigert sich vielen Komfortextras und zwingt den Kunden, sich doch bitte schön gleich für die 46 000 Euro teure Executive-Line oder gar für die F Sport-Line (ab 52 800 Euro) zu entscheiden. Erst in der bekommt man dann ein Head-up-Display (2200 Euro), eine 360-Grad-Kamera (1350 Euro) oder eine Premium-Navigation (3100 Euro). Bleibt abzuwarten, ob auch der Kunde bereit sein wird, diese Aufpreisgestaltung mitzutragen.