Von Stefan Grundhoff

Gut Ding will Weile haben: Der Lancia Thesis steht jetzt bei den deutschen Händlern.

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Lange hatte es aus Italien keine echte Luxus-Limousine mehr gegeben. Der neue Design-Star Thesis soll nun wieder für frischen Wind im Hause Lancia sorgen und ein extravaganter Farbklecks in der Oberklasse sein. (© Foto: Grundhoff)

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Viele hatten in den vergangenen Monaten schon geunkt, der bereits im Frühjahr 2001 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellte Lancia Thesis würde das Laufen nie lernen. Probleme bei der Fertigung, die Verlegung des Produktionsstandorts nach Mirafiori (ja, richtig, da gab es mal einen Fiat mit diesem Namen) und erhöhte Anforderungen an das Qualitätsniveau zögerten den Verkaufsstart des Thesis überlange hinaus.

Na also

Jetzt ist sie da, die neue Extravaganz der Oberklasse. Bereits beim ersten Auftritt sorgt der fast fünf Meter lange Italiener für viel Aufsehen. Markant dabei sowohl die ungewöhnliche Front mit getrennten Styling-Einheiten für Scheinwerferaugen und Kühlergrill, als auch das bullige Hinterteil mit extra schmal verlaufenden Rücklichtern in LED-Technik.

Beeindruckendes Styling

Das formale Lancia-Einheits-Einerlei der vergangenen Jahre ist verschwunden. Mit dem neuen Thesis möchte die Premium-Fiat-Tochter an alte Erfolge anknüpfen. Alfa-Romeo machte es in den vergangenen Jahren vor, wie man eine Spartenmarke nach jahrelanger Abstinenz überaus erfolgreich im Markt platziert.

Bleibt abzuwarten, ob Lancia dies ebenfalls gelingt - die Konkurrenz mit Audi A6, 5er BMW und Mercedes E-Klasse ist sehr mächtig.

Zunächst nur ein Diesel

Der Lancia Thesis kommt zunächst in drei Benzin- und einer Dieselvariante mit Leistungen zwischen 150 und 215 PS (120 bis 158 kW) auf den deutschen Markt. Wir testeten das Spitzenmodell Thesis 3.0 V6 24 V mit 158 kW / 215 PS.

Das bereits konzernbekannte Sechszylinder-Aggregat mit Dreilitermotor und Automatikgetriebe macht im Thesis die beste Figur. Der seidige 24-Ventiler arbeitet ruhig und überlegen. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h ist mit 9,2 Sekunden wenig atemberaubend, aber wer möchte mit einer solchen Luxus-Limousine schon Rennen fahren?

Souveränität allenthalben

Das neue entwickelte 5-Gang-Automatikgetriebe (Comfortronic) mit manueller Schaltebene bringt die Kraft - auch dank ASR und ESP - jederzeit sicher auf die Vorderachse.

Jenseits der 230 km/h verabschiedet sich der Tacho. Der Thesis ist kein Kostverächter. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei mehr als 13 Litern auf 100 Kilometer.

Besonders ausgewogen präsentiert sich die kontinuierliche Dämpferregelung "Skyhook". Fahrbahnunebenheiten werden bei jeder Geschwindigkeit gekonnt absorbiert. Selbst im Grenzbereich ist der Fronttriebler jederzeit kalkulierbar zu beherrschen. Einzig die Thesis-Lenkung könnte etwas direkter sein. Ähnlich wie der 7er BMW verfügt das Fahrzeug über eine automatische Feststellbremse.

Edler Innenraum

Der Innenraum des Thesis zeigt sich in Abstimmung zur extravaganten Karosserie besonders gediegen und gut verarbeitet. Die Bedienelemente für Sonnenrollo, ESP und Kofferraum-Entriegelung sind teilweise auch an der Mittelkonsole verstreut.

Der Thesis ist in den Modellvarianten "Executive" und "Emblema" zu bekommen. Bereits beim Executive ist die serienmäßige Ausstattung mit Navigationssystem, Bi-Xenon-Scheinwerfern, Hifi-Anlage und sämtlichen Sicherheitsmerkmalen (u. a. acht Airbags, ABS, ESP) komplett.

Der Emblema lässt mit Zusatz-Bonbons wie elektrisch verstellbaren Ledersitzen, Bose-Soundsystem und getrennter Klimaautomatik für vorn und und hinten keinerlei Wünsche offen.

Ideales Chauffeur-Fahrzeug

Eine echte Fahrmaschine ist der Thesis nicht. Eher genau das richtige Auto für längere Strecken oder um damit eindrucksvoll vor der Arena di Verona vorzufahren.

Fahrwerk und Lenkung sind betont komfortabel ausgelegt. Das gilt auch für die an sich guten Sitze, die allerdings Seitenhalt vermissen lassen. Beim Styling der fünf Kopfstützen war italienisches Design anscheinend wichtiger als Technik: Der Verstellbereich reicht ebenso wie der des Lenkrads nicht aus.

Im Fond gibt es Platz satt. Abgedunkelte Scheiben sorgen für VIP-Atmosphäre. Zudem lassen sich in der hinteren Mittelarmlehne Bedienlemente für Sonnenrollo, Verstellung des Beifahrersitzes und des Soundsystems finden. Durch Sitzheizung und getrennte Klimaautomatik fühlt man sich wie der Papst. Der soll übrigens künftig ebenfalls in einem Thesis unterwegs sein - allerdings in einer gepanzerten Langversion.

Die Preise für den Lancia Thesis beginnen mit dem 2.4 Executive bei 32.950 Euro. Ein komplett ausgestatteter Thesis 3.0 V6 Emblema bietet mit 41.600 Euro ein überaus interessantes Preis-/Leistungs-Verhältnis.

Quelle: autocert.de

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