Von Arne Boecker und Dagmar Deckstein

Immer mehr Bundesbürger in den Grenzregionen kaufen Benzin und Diesel im Ausland ein - vor allem Polen und Tschechien profitieren. Für Deutschland geht der volkswirtschaftliche Schaden in die Milliarden.

Entlang der Grenzen "verlieren deutsche Tankstellenpächter jeden Tag weitere Kunden". Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband Freier Tankstellen (BFT).

tanktourist; ddp

Auf Einkaufstour: Immer mehr Deutsche decken sich im Ausland - wie hier ein Autofahrer in der polnischen Grenzstadt Slubice - mit Sprit ein. (© Foto: ddp)

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Demnach verstärkte sich das ohnehin wegen der höheren deutschen Steuern bestehende Preisgefälle noch weiter mit der 1999 eingeführten Ökosteuer.

In Grenznähe seien seitdem Absatzverluste von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen, so der Bundesverband. Der volkswirtschaftliche Schaden gehe in die Milliarden, weil dem deutschen Staat Steuern entgingen. 

563 Mitglieder gehören dem Bundesverband Freier Tankstellen an. Mit 1715 Stationen halten sie einen Marktanteil von elf Prozent. Der BFT bekämpft seit langem das, was er martialisch das "Krebsgeschwür Tanktourismus" nennt.

"Unanständige Steuerdifferenzen"

Vor allem osteuropäische EU-Beitrittsländer wie Polen und Tschechien profitierten von den "geradezu unanständigen Steuerdifferenzen".

Die Folge: Der Liter Superbenzin ist dieser Tage in Deutschland etwa 1,38 Euro teuer, während Autofahrer in Polen nur 1,05 Euro und in Tschechien 1,09 Euro für den Liter zahlen müssen. Obwohl das Gefälle in den Grenzgebieten dramatische Folgen hat, haben die östlichen Bundesländer bislang noch kein Konzept, um gegenzusteuern.

"Die ,Farben-Gesellschaften' haben sich fast völlig aus diesen Regionen zurückgezogen", sagt Dietmar Possart, Vorstandsmitglied im Bundesverband Freier Tankstellen. Unter "Farben-Gesellschaften" versteht man die Großen, wie Aral (Blau), Esso (Rot) oder Shell (Gelb).

Die Freien Tankstellen versuchen zu überleben, obwohl sie erheblich weniger Sprit verkaufen. So betreibt Possart in Berchtesgaden eine Station, deren Jahresverkauf von einst 450.000 auf 100.000 Liter geschrumpft ist. Im nahen Österreich kostet der Liter Super derzeit etwa 1,17 Euro.

Preisunterschied wächst

Der Zug der Autofahrer ins nahe Ausland dürfte sich noch verstärken. Grund: Die für das nächste Jahr vorgesehene Mehrwertsteuererhöhung schlägt voll auf die Kraftstoffe durch. Auch die Besteuerung des Biodiesels wird Autofahrer über die Grenze treiben.

"Das war bislang noch so eine Nische, in der man Geld verdienen konnte", sagt Possart. "Die Preisdifferenz zum Ausland, Haupteinflussgröße des Tanktourismus, wird sich quasi über Nacht deutlich erhöhen", benennt das Institut für Finanzen an der Universität Leipzig die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung.

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