Koreaner auf dem Genfer Autosalon Hyundai und Kia: Ein Konzern, zwei Rivalen

Der neue Hyundai Ioniq ist eines der interessantesten Autos des diesjährigen Genfer Salons.

(Foto: AP)

Die Blauen gegen die Roten, wie beim Fußball: Statt als Einheit aufzutreten, achten die koreanischen Schwestermarken auf strikte Trennung. Das funktioniert - noch.

Von Peter Fahrenholz und Joachim Becker

Augenfälliger könnte die Distanz nicht sein. Während Volkswagen auf dem gegenwärtigen Genfer Autosalon seine Marken VW, Škoda und Seat in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander positioniert, zeigen die Koreaner ihre Autos so weit voneinander entfernt wie möglich. An einem Ende der Ausstellungshallen die Blauen (Hyundai), am entgegengesetzten Ende die Roten (Kia). So, als ob niemand merken soll, dass beide Marken Geschwister sind, die letztlich beide in die Kasse der Konzernmutter Hyundai wirtschaften. Und die technisch wie vom Design her keineswegs so eigenständig sind, wie sie sich in Deutschland gerne präsentieren.

Denn das wird von oben gesteuert und zwei Deutsche spielen dabei die wichtigste Rolle. Für die gestalterische Gesamtlinie ist Peter Schreyer verantwortlich, einer der renommiertesten Autodesigner der Welt, der mehr als zwei Jahrzehnte bei VW gearbeitet hat und dort zahlreichen Modellen seinen Stempel aufgedrückt hat. Und im Motorenbereich soll der langjährige BMW-Mann Albert Biermann für mehr Pep und Innovation bei der Korea-Flotte sorgen.

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"Entweder man ist blau, oder man ist rot"

Doch während in Asien ganz klar ist, dass Hyundai die Leitmarke ist und Kia dahinter folgt, etwa so wie zwischen VW und den Tochtermarken des Konzern, ist das Bild auf dem deutschen Markt völlig anders. Hier agieren Hyundai und Kia im Bewusstsein der Käufer auf Augenhöhe, wer hier als attraktiver oder höherwertiger wahrgenommen wird, ist von Modell zu Modell unterschiedlich. Und lässt sich auch ziemlich genau ablesen, denn die Modellpalette von Hyundai und Kia unterscheidet oder ergänzt sich nicht, sondern ganz im Gegenteil: Zu praktisch jedem Hyundai-Modell gibt es einen vergleichbaren Kia-Konkurrenten.

Dass die geschwisterliche Zuneigung ihre Grenzen hat, merkt man ziemlich schnell, wenn man mit den Protagonisten beider Seiten redet. "Entweder man ist blau, oder man ist rot", sagt Markus Schrick, Chef von Hyundai-Deutschland und erzählt die Anekdote von dem Russen, der von der russischen Kia-Dependance in die Europa-Zentrale von Hyundai wechselte und auf die Frage, wie man denn mit Kia umgehen solle geantwortet habe: "Kill Kia".

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Wenn Hyundai-Mann Schrick über das Binnenverhältnis zu Kia redet, klingt das zwar friedfertig ("Hyundai ist der große Bruder"), zugleich aber schimmert aber auch jene leichte Herablassung durch, die der Größere gerne gegenüber einem Kleineren an den Tag legt. So, wie wenn Angela Merkel etwas Nettes über Sigmar Gabriel und die SPD sagt. Mit Kia trage man einen "friedlichen, sportlichen Wettbewerb" aus, sagt Schrick und vergisst nicht, hinzufügen, dass Hyundai in Deutschland ungefähr doppelt so viele Autos wie Kia verkaufe. Hyundai sei "etwas höherwertiger" positioniert als Kia, lässt Schrick wissen und zitiert den Chefdesigner Schreyer, der mal gesagt habe, Hyundai sei der Wassertropfen und Kia die Schneeflocke. Umgekehrt lassen die Kia-Leute keinen Zweifel daran, wen sie für den dynamischeren Teil des Konzerns halten: sich selbst.