Kleinwagen Visio.M Elektroauto aus dem Hörsaal

Das Elektroauto Visio.M bei seiner Präsentation auf dem Gelände der TU München.

(Foto: Catherina Hess)

Die TU München hat einen Kleinwagen mit Elektroantrieb entwickelt. Der Visio.M hat anderen E-Autos einiges voraus und könnte deutlich billiger als diese sein - wenn er denn in Serie geht.

Von Marco Völklein

Nein, sagt Professor Markus Lienkamp, Fremde wird er bis auf Weiteres erst mal nicht ans Steuer seines Prototypen lassen. Nicht einmal, wenn - wie an diesem Montagmittag - ein hoher Beamter des Bundesforschungsministeriums zur Abschlussveranstaltung kommt, um das Elektroauto zu bestaunen, an dem Lienkamp und seine Mitstreiter von der Technischen Universität (TU) seit 2009 getüftelt haben. Obwohl der Bund 7,1 Millionen Euro an Zuschüssen in das Forschungsprojekt "Visio.M" gesteckt hat - der Prototyp ist schließlich ein Einzelstück. Und da ist dem Professor das Risiko schlicht zu groß, dass Unbefugte das gute Stück gegen die Wand setzen könnten.

Sorgenkind Elektroauto

Elektoautos sind die Zukunft. Echt? Findet zumindest die Bundesregierung und lässt sie demnächst auf Busspuren fahren. Durchsetzen konnte sich der alternative Antrieb bisher trotzdem nicht. Das hat viele Gründe. mehr ... Fragen und Antworten

Wobei Lienkamp versichert, alles in dem kleinen Elektro-Flitzer sei mehr oder weniger selbsterklärend. "Gas geben, lenken, bremsen" - mehr müsse man nicht machen. Wie bei jedem anderen Elektroauto eben auch. Nur dass der Visio.M eben deutlich leichter sei als andere E-Autos, deutlich kleiner, aber deshalb auch "wesentlich effizienter" als alle anderen, wie Lienkamp sagt.

Viele Freiheiten für die Entwickler

Und deshalb soll, wenn es denn irgendwann mal gebaut wird, das Auto auch wesentlich billiger sein als andere Stromer: 20 000 Euro würde der Flitzer heute kosten, sagt Lienkamp. Sofern sich ein Hersteller findet, der das Auto in einer Stückzahl von mindestens 100 000 in Serie fertigen würde. In ein paar Jahren sei ein Preis von 16 000 Euro möglich. Zum Vergleich: Der BMW i3 geht bei 35 000 Euro Listenpreis los, ein Nissan Leaf kostet 30 000 Euro. Der Professor glaubt: Ein preisgünstiger Klein-Stromer, eben sein Visio.M, könnte der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen.

Mit dem Elektroauto bis zum Gardasee

mehr...

Bis dahin allerdings ist es noch ein weiter Weg. Das räumt auch Lienkamp ein, der früher als Entwickler in der Automobilbranche gearbeitet hat. Und nun als Professor an der TU in Garching eine Menge Freiheiten hat, die es ihm erlauben, auch mal ein Projekt wie den Visio.M auf die Beine zu stellen. Über 20 Lehrstühle aus allen möglichen TU-Bereichen waren daran beteiligt, dazu viele Partner aus der Industrie, etwa BMW, Daimler und Siemens.

"Keine rollende Verzichtserklärung"

Fachleute entwickelten eine Leichtbaukarosserie, ein spezielles Getriebe, eine leistungsfähige Batterie und viele weitere Komponenten, um ein nur 535 Kilogramm schweres Auto zu bauen, das auch noch besonders windschnittig ist - und damit nur einen kleinen E-Motor und eine verhältnismäßig kleine Batterie benötigt, um dennoch 140 bis 160 Kilometer Reichweite zu schaffen. Das günstig ist, zugleich aber auch alle gängigen Crashtests besteht. Und auch noch Spaß macht beim Fahren. Ein Auto also, dass "keine rollende Verzichtserklärung" ist, wie Christoph Grote, Entwickler bei BMW, ergänzt. "Alle diese Ziele haben wir erreicht", sagt Lienkamp.

Milliardengrab Elektroauto

Elektro- und Hybridautos sind gut für das Image und die Schadstoff-Bilanz der Hersteller. Doch hohe Entwicklungs- und Fertigungskosten sorgen für enorme Verluste. Ein Problem, das nicht einmal bessere Absatzzahlen lösen können. mehr ... Analyse

Allerdings mit Einschränkungen: So bietet der Visio.M nur zwei Personen und zwei Gepäckstücken Platz. Und bei maximal 120 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit ist Schluss. Relativ schnell sei klar gewesen, sagt Entwickler Lienkamp, dass man ein E-Auto entwickelt, das als "typischer Zweitwagen" genutzt werden kann. Zum Beispiel für die tägliche Tour ins Büro. "Die gute Nachricht ist aber", sagt Linekamp, "von denen gibt es etwa 15 Millionen allein in ganz Deutschland." Und könne man nur einen Bruchteil dieser Kunden davon überzeugen, den Visio.M zu kaufen, wäre das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 etwa eine Million Stromer auf den deutschen Straßen zu haben, durchaus zu erreichen. Sagt Lienkamp.

Wie es allerdings genau weitergeht mit der Münchner Entwicklung, ist offen. Bevor sich BMW oder Daimler dazu durchringen werden, den Stromer in Serie zu produzieren, seien weitere Tests und zusätzliche Entwicklungsschritte notwendig, sagt Lienkamp. Wenn überhaupt, wird das Auto frühestens im Jahr 2020 zu kaufen sein.