Von Von Sebastian Viehmann

Japaner planen ihre Erfolge sorgfältig. Vom Erfolg des MX-5 aber wurde Mazda völlig unvorbereitet überrollt. Was als Kultauto für Yuppies und Broker begann, wurde zum meistverkauften Roadster aller Zeiten.

"Die erste Kurve. Runterschalten auf dem kürzesten Schaltweg, den Sie wahrscheinlich je erlebt haben. Sie wollen die nächste Kurve! Welch ein Vergnügen, dieses Auto zu fahren." So hieß es im ersten Prospekt des Mazda MX-5, anno 1989. Und es war kein Wort zuviel versprochen.

Der MX-5 war Roadster in Reinform, ohne dass man Abstriche in Sachen Alltagstauglichkeit oder Komfort machen musste. Schließlich war sein primäres Zielgebiet das verwöhnte Amerika. (© Foto: Pressinform)

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Der MX-5 war Roadster in Reinform, ohne dass man Abstriche in Sachen Alltagstauglichkeit oder Komfort machen musste. Schließlich war sein primäres Zielgebiet das verwöhnte Amerika. Mazda-Manager Kenichi Yamamoto hatte sich Ende der 80er mit dem Autojournalisten Bob Hall über die automobilen Vorlieben der Amerikaner unterhalten.

Was dem US-Markt damals fehlte, war ein kleiner sportlicher Cabrio-Flitzer. Aus der ursprünglich leichtgewichtigen Corvette war ein fettes und ungelenkes PS-Monster geworden. Der Alfa Romeo Spider war zwar immer noch beliebt, aber technisch veraltet. Und so schlug Mazdas Spaßmobil MX-5 mit den süßen Schlafaugen-Klappscheinwerfern, der fantastischen Straßenlage und dem willig hochdrehenden Vierzylinder ein wie eine Bombe.

Dabei war die Firmenleitung anfangs nicht gerade begeistert von der Idee des Nippon-Roadsters. Unter den strengen Augen der Mazda-Manager stellten ein paar junge Ingenieure in der gefürchteten "Design-Arena" in Hiroshima ihr Konzept vor. Dort ging es zu wie im Kolosseum, nur ohne Löwen: Daumen nach oben hieß weitermachen, Daumen nach unten hätte das Ende für das Auto bedeutet. Die Mazda-Ältesten sahen einen kompromisslosen zweisitzigen Roadster, Kofferraum nahezu Null, Motor vorn, Antrieb hinten, Karosserie ein fließendes Etwas. Die Daumen gingen nach oben. Der Rest ist Geschichte.

Auf der Automesse in Chicago stand der Kulleraugen-Roadster 1989 auf einem bescheidenen Messestand zum ersten Mal im Rampenlicht. Für die Amerikaner war es Liebe auf den ersten Blick. Der "EM-EX Five" eroberte den Sunset Boulevard und den Malibu Drive im Sturm und wurde selbst an der Ostküste zum Lieblingsflitzer der Yuppies und Börsen-Broker.

Auch die Europäer waren so wild auf den Nippon-Flitzer, dass Mazda die Nachfrage nicht einmal annähernd decken konnte. Bis Ende 1990 waren schon mehr als 150.000 Autos vom Band gerollt, nur jedes zehnte davon war für Europa bestimmt. Viele MX-5 kamen als Grauimporte nach Deutschland. Erfolge feierte der Wagen auch in Italien und Großbritannien, wo so mancher Freiluft-Fan seinen zickigen Briten-Roadster nur zu gern gegen den japanischen Flitzer austauschte.

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