Kaum Sicherheitsmängel ADAC testet Kindersitze

Auch dieses Mal gibt es die Note "mangelhaft": Beim neuen ADAC-Kindersitztest fällt ein Modell durch, allerdings nicht wegen Sicherheitsmängeln, sondern wegen zu vieler Schadstoffe. Doch die meisten anderen Sitze überzeugen im Test.

Der ADAC-Kindersitztest 2012: Das Sicherheitsniveau der getesteten Sitze ist in den letzten Jahren gestiegen.

(Foto: ADAC)

Beim neuen ADAC-Kindersitztest ist ein Modell wegen hoher Schadstoffbelastung durchgefallen. Sechsmal vergaben die Tester die Note "gut", fünfmal "befriedigend" und einmal "ausreichend", wie der Autoclub mitteilte. Beim zweiten Kindersitztest von ADAC und Stiftung Warentest in diesem Jahr wurden 13 Modelle geprüft. Es waren unter anderem Produkte, die beim ersten Test vom Mai noch nicht auf dem Markt waren. Damals waren 33 Sitze getestet worden, fünf fielen wegen Sicherheitsmängeln durch.

Die Gesamtbilanz 2012 sieht nicht schlecht aus: Genau die Hälfte der insgesamt 46 Modelle bekam die Note "gut". "In den letzten Jahren sind die Produkte Stück für Stück besser geworden", sagte der Leiter des Herbsttestes, Thomas Unger. Der ADAC wertet das auch als Erfolg seiner Tests.

Gesamtnote 1,9 und damit die beste im Test: Römer Duo Plus

(Foto: ADAC)

Bei dem mangelhaften Sitz im zweiten Test des Jahres handelt es sich ausgerechnet um ein Modell für die allerjüngsten Mitfahrer bis zu eineinhalb Jahren. Grund für die schlechte Note war der hohe Schadstoffwert. Der Sitz habe zwar bei der Sicherheitsprüfung überzeugt, doch enthalte der Bezug Stoffe, die im engen Körperkontakt für Kinder schädlich sein können, erläuterte der ADAC.

Durchgefallen wegen hoher Schadstoffwerte: Bébécar Easymaxi EL

(Foto: ADAC)

Ein weiterer Sitz bekam bei den Schadstoffen nur ein "ausreichend". Tendenziell seien Kindersitzbezüge aber schadstoffärmer geworden, betonte der ADAC. Bei dem Herbsttest bekamen immerhin sieben Sitze - und damit mehr als die Hälfte - bei der Schadstoffbelastung ein "sehr gut".

Die fünf Sitze, die beim ersten Test im Mai durchgefallen waren, taten dies wegen erheblicher Mängel bei der Sicherheit. Im zweiten Testteil gab es in Sachen Sicherheit bei mehr als der Hälfte der Modelle gute Noten, die übrigen wurden wenigstens als "befriedigend" eingestuft. Die Gesamtnote "sehr gut" konnten die Tester allerdings im Jahr 2012 kein einziges Mal vergeben. Ein Beispiel für die Verbesserungen seien die Sitze - oder Sitzerhöher - für die älteren Kinder, sagte Unger. Um einen ausreichenden Schutz auch zur Seite hin zu gewährleisten, sei eine Rückenlehne mit Seitenpolstern nötig. Das hätten inzwischen fast alle Hersteller berücksichtigt. "Sie werden fast nur noch mit Rücklehnen verkauft."

ADAC sieht viel Gefahrenpotenziel für Kinder beim Seitencrash

Der Autoclub erwirbt die Testsitze anonym. Von jedem Modell werden bis zu 20 Exemplare getestet - je nachdem, wie viele Einbauvarianten es gibt. Mit einem Prüfschlitten, auf dem eine Autokarosserie montiert ist, simulieren die Tester mit Dummies jeweils Front- und Seitenaufprall. Der ADAC kritisiert seit langem, dass für die amtliche Zulassung von Kindersitzen noch keine Seitencrashtests vorgeschrieben sind, obwohl es entsprechende Überlegungen gibt. "Das ist für uns ein sehr wichtiges Kriterium für den Kindersitz", sagte Unger. Denn an den Seiten gebe es praktisch keine Knautschzone und oft keine Airbags in für Kinder geeigneter Brust- oder Kopfhöhe. "Deshalb ist der Seitencrash gefährlich."

ADAC Zu viele Kinder nicht sicher im Auto

Bei bundesweiten Kontrollen hatten rund ein Drittel aller Kinder keinen passenden Kindersitz, manche waren erst gar nicht angeschnallt.

(Video: Reuters)

Der ADAC prüft auch den Gurtverlauf, die Größenanpassung, die Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz, die Kopfabstützung und die Ergonomie. 2011 wurde das Verfahren angepasst. Seitdem werden Teile, mit denen das Kind in Kontakt kommt, auch auf Schadstoffe geprüft. Unter anderem wird auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersucht, diel krebserregend sein können, ferner auf Flammschutzmitteln, bestimmte Farbstoffe und Schwermetalle. Im vergangenen Jahr verunglückten in Deutschland bei Autounfällen 24 Kinder im Alter bis zu 12 Jahren tödlich, 953 wurden schwer verletzt, wie der ADAC unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berichtete.