Die Geländewagen-Legende erlebt leichte Modifikation
(SZ vom 16.11.1996) Weltweit sind es zwei Fangemeinden, deren Mitglieder seit Jahrzehnten einer Modellerneuerung ihres geliebten Fahrzeugs mit Angst entgegenfiebern und sich fragen: Was geht diesmal an Orginalität verloren? Es sind die Liebhaber des Porsche 911 und jene des Jeep Wrangler.
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Ob es an der Einsicht der Konstrukteure liegt, daß imageprägende Qualitäten heutzutage nicht mehr grundsätzlich erneuert werden? Die letzte Weiterentwicklung des 911 konnte persönlichkeitsprägende Tugenden dieser Sportwagen-Ikone nicht einfach ignorieren. Gleiches gelang den Chrysler-Technikern mit dem Geländewagen-Urtyp Jeep Wrangler. Im Modelljahr 1997 kommt er nicht nur wieder mit Rundscheinwerfern daher, sondern gewinnt mit klaren Karosserielinien mehr denn je sein historisches Erscheinungsbild zurück.
Es wurden Details verändert, um einerseits mehr Funktionalität zu bieten und andererseits, um das klare Erscheinungsbild des Jeep hervorzuheben. So wanderten die vorderen Parkleuchten und Blinker in die Kotflügel, die ihrerseits breiter wurden, um die Radkästen aus dem Innenraum "herauszuziehen". Das bringt deutlich mehr Bewegungsfreiheit für die Passagiere, insbesondere auf den hinteren Plätzen. Auch der Tankstutzen liegt nun auf der Fahrerseite hinten und ist leichter zugänglich. Die Scharniere der Motorhaube sind karosseriebündig.
Verbesserter Geradeauslauf
Wie bisher baut der Wrangler auf einem Leiterrahmen-Chassis mit Traversen auf, was zu seiner außerordentlichen Robustheit beiträgt. Für das neue Modell wurde diese Konstruktion noch verstärkt und stützt sich nun über ein Fahrwerk gegen die Straße ab, das dem des Grand Cherokee entspricht. Dafür wichen die Blattfedern modernen Schraubfedern mit Gasdruckstoßdämpfern, die Achsen werden an vier Längslenkern geführt. Der Vorteil im Gelände: Die Bodenfreiheit ist ebenso erhöht wie der Böschungswinkel vorn und hinten. Auf befestigten Straßen läßt sich der neue Jeep Wrangler präziser lenken, rollt komfortabler ab und zeigt einen verbesserten Gerdeauslauf.
Nach wie vor arbeitet unter seiner Motorhaube ein 87 kW (118 PS) starker 2,5-l-Vierzylinder- sowie ein 130 kW (177 PS) mächtiger 4,0-l-Reihensechszylindermotor. Mit dem handgeschalteten Wrangler 2. 5 kombiniert wird der sogenannte Command-Trac-Allradantrieb, eine Heckantrieb-Konstruktion mit zuschaltbarem Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe. Der Wrangler 4. 0 wird wahlweise mit Fünfgang-Handschaltung und Dreigang-Automatik angeboten. Diese beiden Versionen verfügen über das Selec-Trac genannte Allradsystem, das auf Knopfdruck zugeschaltet wird und, weil es über ein Mitteldifferential verfügt, auch auf festem Fahrbelag permanent genutzt werden kann.
Zum ersten Mal mit Airbag
Seine augenfälligste Modernisierung erfuhr die Off-Road-Legende im Interieur. Neu gestaltete Sitze erlauben nicht nur deutlich verbesserten Seitenhalt, sondern auch einen leichteren Einstieg auf die Doppelsitzbank im Fond. Das Armaturenbrett ist jetzt übersichtlicher, wenngleich der Charme dabei auf der Strecke blieb. Und den Zeichen der Zeit folgend besitzt der Wrangler erstmals zwei Airbags serienmäßig. Die wohl wünschenswerteste Verbesserung erfuhr das Wrangler-Dach. Sowohl das Hardtop als auch das Faltdach schließen endlich ordentlich ab. Insbesondere das Faltdach hat nun einen Handling-Standard erreicht, der deutlich über dem der britischer Roadster der sechziger Jahre liegt: Sein Bedienungskomfort mit allen Klett- und Reißverschlüssen und Druckknöpfen verlangt aber noch immer nach akademischem Timing angesichts aufziehender Gewitterwolken. Doch auf eine mehrwöchige Ausbildung in der Disziplin "Faltdach-Handling" kann künftig verzichtet werden.
Der Jeep Wrangler ist komfortabler geworden, ohne seine schrullige Eigenart verloren zu haben. Daß er in selten konsequenter Weise dem gesellschaftlichen Trend zu Originalen huldigt, zeichnet ihn als zeitgemäßes Produkt aus. Wer hätte diese Popularität voraussagen wollen, als vor über 50 Jahren sein Urvater, der Willy's Jeep, erstmals amerikanische Soldaten und braune Limonade nach Europa einschleppten. Amerikanischer als im Jeep Wrangler kann man heute kaum fahren. Für den neuen Jeep Wrangler 2. 5 Sport verlangt Chrysler als Cabriolet mit Softtop 34 800 Mark. Mit 4. 0-l-Motor ausgestattet kostet er 38 900 Mark. Ein ebenfalls neues, sehr leichtes Hardtop kostet extra. Außerdem steht der besonders aufwendig ausgestattete 4. 0 Sahara für 44 570 Mark seit September zum Verkauf. Alle Modelle verfügen über eine Wegfahrsperre, die mit einer Fernbedienung (de-)aktiviert wird.
Von Jürgen Zöllter