30 Jahre Ferrari Testarossa Umstrittene Ikone mit Lamellen

Zum Kult wurde der Ferrari Testarossa erst, als er ab Staffel Zwei eine Hauptrolle in "Miami Vice" übernimmt.

(Foto: 840710.JPG; Ferrari)

Als der Ferrari Testarossa 1984 vorgestellt wird, bricht er radikal mit den bisherigen Designgrundsätzen der Marke: schamlos und spektakulär, neon und pastell, ein authentisches Abbild der Achtziger. Kein Wunder, dass viele eingefleischte Ferraristi noch heute die Nase rümpfen.

Die so ruhmreiche Sport- und Rennwagenschmiede Ferrari befand sich in den Siebzigerjahren in einer ihrer vielen Sinn- und Absatzkrisen. Im Motorsport lief es nicht und die Italiener litten stark unter den verschärften Abgas-, Verbrauchs- und Sicherheitsregularien in den USA, die Sportwagen das Leben schwer machten. Firmenchef und -gründer Enzo Ferrari entschloss sich nach langer Überlegung zu einem radikalen Schnitt. Das neue Zwölfzylindermodell, der Testarossa, musste mit einer revolutionären Formgebung punkten und unbedingt ein Erfolg werden, befahl "Il Commendatore" seinem Haus-und-Hof-Designstudio Pininfarina.

Von Trabi bis Testarossa

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Bei seiner Vorstellung 1984 wirkte das Coupé wie eine fliegende Untertasse auf vier Rädern. Nicht nur eingefleischte Ferraristi blickten beim Erstkontakt verstört bis entrüstet auf diesen Sportwagenkeil mit ausufernden Seitenkästen, charakteristischen Kühlrippen und teleskopartigem Außenspiegel auf der Fahrerseite. Modern ja, aber so hatte man sich das neue Ferrari-Prunkstück nicht vorgestellt. Bei Ferrari ging es normalerweise schlichter und dezenter zu, so viel Designmut hatte zuvor allenfalls Erzfeind und Dauerrivale Lamborghini bewiesen.

Innen und außen gewöhnungsbedürftig

Bis heute rümpfen viele Ferrari-Anhänger beim Namen und noch mehr beim Anblick des Testarossa die Nase. Doch dieser Zwölfzylinder-Mittelmotor-Bolide sollte eben vor allem in den USA für Aufsehen sorgen, wo Aerobic, Schulterpolster und Neonfarben das Leben bestimmten und die Optik wichtiger war als alles andere. Da war eine Lamellenorgie als Unabhängigkeitserklärung auf vier Rädern genau das Richtige.

Wenig hochwertiges Leder, unansehnliche Drucktastern, windige Lenkstockhebelchen und Billiginstrumente: der Innenraum des Ferrari Testarossa.

(Foto: STG)

Mindestens genauso polarisierend wie das Außendesign zeigt sich die Gestaltung des Innenraums. Hier gibt es wenig hochwertiges Leder, Kopfstützen so groß wie Mutters Bratpfannen, eine Armada an unansehnlichen Drucktastern, windige Lenkstockhebelchen und Billiginstrumente. Doch immerhin stimmen Sitzkomfort und -position. Mit etwas Gewöhnungszeit lassen sich die gut konturierten Sportsitze auf nahezu jede Körpergröße und -statur einstellen. Ein wichtiges Argument in den eher beleibten Vereinigten Staaten.

Optisch innovativ, technisch rückständig

So spektakulär der Testarossa der ersten Generation optisch war, so wenige technische Innovationen brachte er mit. "Er basierte auf dem Vorgänger Ferrari BB 512i, eigentlich sogar noch auf dem alten 365/4", sagt Michael Kunz, Werkstattmeister bei Ferrari Eberlein in Kassel und dort auch für die historischen Fahrzeuge zuständig. "Technisch gab es nicht viel Außergewöhnliches". Wie beim Vorgänger machte sich das fast fünf Liter große Triebwerk zwischen Fahrgastzelle und Hinterachse breit. Es behielt die charakteristische Bauweise eines 180-Grad-V-Motors, bei dem sich im Gegensatz zum Boxermotor jeweils zwei Zylinder einen Hubzapfen teilen, bei und erstarkte von 360 auf 390 PS.

Auch nach heutigen Maßstäben sorgte die Maschine für einen gewaltigen Vortrieb. Der Testarossa gab seinem Piloten das sicherere Gefühl, kaum überholt werden zu können. Jeder noch so kleine Druck auf das zu weit rechts positionierte Gaspedal wurde mit bissiger Beschleunigung beantwortet. Der Italiener hatte in jedem Drehzahlbereich mehr als genug Kraft und ließ in den oberen Gängen mit entsprechend üppiger Drehzahl kaum nach.