Von Günther Fischer

Von der "Blechbüchse" zum Kultauto: Die "Ente" ist 60 Jahre alt und gilt noch immer als Kultauto der Nonkomformisten.

Es war dieses Seitenfenster. Diese kleine geteilte Klappscheibe, deren unterer Teil mit einem kurzen Stoß des Ellbogens nach oben befördert werden konnte und dort einrastete. Wenn das Auto schon eng war, dann konnte man so wenigstens den Arm aufs Türblech legen und ein wenig Freiheit genießen. So eine charmante Fensteröffnung hatte damals kein anderes Auto - und seither auch nie wieder eines. Mit diesem kleinen Klappfenster verband sich bald alles, was der Citroën 2CV zu versprechen schien: die Leichtigkeit des Seins ebenso wie die Simplizität der Technik.

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Das Jubiläumsmodell zum 60. Geburtstag - vom Hèrmes ausgestattet. (© Foto: AFP)

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"Vier Räder unter einem Regenschirm"

Aber es war diese einfache Technik, die dem 2CV, als er am 7. Oktober 1948 auf der Pariser Automobilmesse vorgestellt wurde, viel Spott eintrug: Von "Blechbüchse", einem "Scherz auf Rädern" oder einer "fahrenden Schnepfe" war die Rede. Eine Zeitung wollte sogar wissen, ob der Hersteller einen Dosenöffner mitliefere. Heute ist der "2CV" ein Kultauto, das seit Produktionsende 1990 zu beachtlichen Liebhaberpreisen gehandelt wird (kein Wunder, denn die meisten fielen dem Rostfraß zum Opfer) und mit seinem Konzept entwaffnender Einfachheit inzwischen sogar neue Autos inspiriert.

Die Geschichte der Ente reicht bis vor den Zweiten Weltkrieg zurück. In den 30er Jahren kam Citroën-Chef Pierre-Jules Boulanger auf die Idee eines Autos mit Minimalausstattung bei einem Besuch in der Auvergne, wo sich die Bauern noch auf Ochsenkarren als Transportmittel verließen. 1934 erteilte er dann den Auftrag, einen radikal minimalistischen Kleinwagen zu entwickeln. Seine inzwischen legendären Anforderungen an den Konstrukteur André Lefèbvre lauteten:

"Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Außerdem soll es selbst schlechteste Wegstrecken bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt. Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, so dass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Und schließlich muss das neue Auto wesentlich billiger sein als unser 'Traction Avant'. Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an."

Auch Boulangers Vorstellung von Komfort war minimalistisch: "ein Sofa auf vier Rädern unter einem Regenschirm".

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