80 Jahre Autobahn in Deutschland Die Bevölkerung war gegen die Autobahn

Weit dringender benötigt wird jedoch die Schnellverbindung Köln-Bonn. Mit deren Realisierung allerdings hapert es zunächst, denn wie heutzutage bei Stuttgart 21 oder der geplanten dritten Startbahn am Münchner Flughafen gibt es breiten und heftigen Widerstand gegen das elf Millionen Reichsmark teure Vorhaben. Die klamme Reichsregierung lehnt jede finanzielle Unterstützung des Projekts ab; Reichsverkehrsminister Theodor von Guérard wettert gegen die aus seiner Sicht überflüssigen "Luxusstraßen" und setzt stattdessen auf die Eisenbahn als Verkehrsmittel der Zukunft. Selbst die Nationalsozialisten, die später eine Kehrtwende um 180 Grad vollziehen werden, sträuben sich zunächst vehement gegen die "undeutsche Idee" einer Autobahn.

Den Ausschlag gibt schließlich die hohe Arbeitslosigkeit in der Rheinprovinz: Der Landtag bewilligt das Köln-Bonn-Projekt unter der Bedingung, dass die Bauarbeiten als "Notstandsarbeit" anerkannt werden und der Reichstag für die Einstellung von Arbeitslosen einen Zuschuss gewährt. Tatsächlich gelingt es, 45 Prozent der Kosten aus der 1918 eingeführten Erwerbslosenfürsorge zu decken; der Rest wird aus dem Provinzialhaushalt und über Anleihen bestritten. Aus purer Not heraus kommt Deutschland also zu seiner ersten Autobahn: In der dreijährigen Bauzeit werden insgesamt 5540 Notstandsarbeiter beschäftigt, die rund 700 000 Kubikmeter Erde nur mit Spaten und Schaufel bewegen. Der Einsatz von Baggern und Förderbändern ist strikt untersagt.

Am heutigen Datum vor genau 80 Jahren sieht Konrad Adenauer dann seine Vision von den "Straßen der Zukunft" verwirklicht - einschließlich späterer Rennambitionen. Denn obwohl die Automobile jener Zeit im Durchschnitt gerade mal 60 km/h Spitze schaffen, ist die 20 Kilometer lange Strecke bereits auf die abenteuerliche Geschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt. So bleibt uns beim Thema Autobahn zumindest eine Trophäe: Wir Deutschen sind zwar nicht die Ersten, aber wenigstens die Schnellsten. Zumindest solange wir können - bis uns der nächste Stau wieder in die Schleichgemeinschaft der Leidensgenossen in aller Welt einreiht.