80 Jahre Autobahn in Deutschland Die erste Autobahn Europas war in Italien

Im Vergleich dazu hinkt Europa jedenfalls weit hinterher, wie auch übrigens überhaupt in Sachen Massenmotorisierung. So ist die 1921 eröffnete schnurgerade Berliner Avus (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) noch keine echte Autobahn, sondern eher ein Luxusspielplatz für betuchte Herrenfahrer mit Rennambitionen. Als kühne Zukunftsvision empfindet man es denn auch, als der italienische Ingenieur Piero Puricelli 1922 den Plan zur ersten wirklichen Autostrada entwickelt, genauer, zu einer "nuova strada riservata esclusivamente al traffico a motore" - einer neuen Straße ausschließlich für den motorisierten Verkehr. Dabei gibt es in ganz Italien damals überhaupt nur knapp 90.000 Kraftfahrzeuge, was das Projekt als reichlich überzogen erscheinen lässt. Da die Kosten schon damals über eine Maut hereingeholt werden sollen, wird der Bau trotzdem beschlossen. Bereits zwei Jahre später, am 21. September 1924, kann das weiße Band zerschnitten werden, und Europa hat zwischen Mailand und Varese seine erste Autobahn (heute A 8), oder präziser: eine Kraftfahrzeugstraße. Sie besitzt zwar nur eine Spur in jeder Richtung, aber bereits beim Folgeprojekt wird dieses Manko korrigiert: Die 1927 eröffnete, 92 Kilometer lange Autobahnumgehung von Rom ("Tangenziale") ist ebenso vierspurig wie drei Jahre später ihre Verlängerungen nach Neapel im Süden und Florenz im Norden. Erneut hat also das stolze Rom die Nase vorn, diesmal mit der ersten vierspurigen Autobahn Europas.

Die Feier zur Eröffnung von Europas erster Autobahn in Köln im August 1932. In den Bau der jetzigen A 555, die Köln und Bonn verbindet, wurden während der dreijährigen Bauarbeiten 8,6 Millionen Reichsmark investiert.

(Foto: dpa)

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks bleibt man in dieser Zeit nicht untätig: Zwischen 1925 und 1927 - immerhin fünf Jahre vor Eröffnung der ersten deutschen Autobahn - entsteht unter dem kubanischen Diktator Gerardo Machado nach dem Vorbild der USA die erste vierspurige Autobahn Lateinamerikas. Die noch heute existierende Autopista Nacional zwischen Havanna und Taguasco lässt allerdings wichtige Städte buchstäblich links oder auch rechts liegen: Ihr Hauptzweck ist es lediglich, den Zuckerbaronen einen komfortablen Transportweg für ihre süße und teure Fracht zu verschaffen.

Eher im Zuckel-Tempo beginnt die Idee sich schließlich auch in Deutschland durchzusetzen. Auslöser sind die Verkehrsprobleme im Ballungsgebiet zwischen Köln und Bonn, wo schon zu Beginn der Zwanzigerjahre chaotische Verhältnisse herrschen. So setzen sich viele Politiker wie Konrad Adenauer oder Johannes Horion, Landeshauptmann der Rheinprovinz, für den Bau einer neuen, entlastenden Verkehrsader ein.

Und sie haben eine wachsende Zahl von Mitstreitern auf ihrer Seite: 1924 formiert sich in Berlin die "Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau" (Stufa), zwei Jahre später in Frankfurt am Main der "Verein zum Bau einer Straße für den Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a. M. nach Basel", kurz HaFraBa. 1929 prägt dessen Vorsitzender, der Berliner Bauingenieur Robert Otzen, erstmals den Begriff Autobahn. Für die Ausgestaltung des geplanten Netzes wird AutostradaErbauer Piero Puricelli herangezogen - schließlich bringt er als Autobahnpionier die meiste Erfahrung mit. So tragen wesentliche Züge des HaFraBa-Konzepts seine Handschrift - etwa die Trennung der Fahrtrichtungen durch einen breiten Mittelstreifen und die Verwendung von Betonplatten als Fahrbahnbelag.