Jaguar XF 30d im Test Du riechst so gut

Als 30d mit 300 PS starkem V6-Turbodiesel kostet der neue Jaguar XF mindestens 61 510 Euro.

(Foto: Stefan Baldauf / SB-Medien)

Der Jaguar XF hat einen ganz eigenen Geruch. Und er fährt sich anders als die meisten Limousinen. Von britischer Zurückhaltung keine Spur.

Test von Felix Reek

Zuerst ist da dieser Duft. Wie ein markantes Herrenparfüm. Dezent, aber doch präsent. Es riecht nicht nach schnöder Ledergarnitur wie in anderen Neuwagen. Eher wie englisches Landhaus, offener Kamin, ein gut abgehangener Whisky in der rechten Hand. Ist irgendwo ein Duftspender im Handschuhfach versteckt? In China ordert man seine Limousinen gerne so, des Smogs wegen. Nichts zu entdecken. Egal, ob eingebildet oder nicht: Der Jaguar macht direkt Eindruck.

Wie er riecht, so sieht der Innenraum des Briten aus. Ja, hier ist nach dem großen Designbruch 2008 modernisiert worden, aber auf eine altmodische Art. Und das ist positiv gemeint. Während bei Audi, BMW und Co das Cockpit immer mehr an eine Mischung aus Büro und Lounge als an ein Auto erinnert, erstreckt sich im XF kein überdimensionales Touch-Display über fast die gesamte Fahrzeugbreite. Die interaktiven Smartphone-Elemente bleiben dort, wo sie hingehören: im Radioschacht. Der Fahrer blickt auf klassische Rundinstrumente. So wie es der eigene Vater schon tat. Warum ändern, was sich über Jahrzehnte bewährt hat?

Die britische Mittelklasselimousine im Detail

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Sportlichkeit ist die neue Maxime

Ähnlich schrullig ist der Wahlhebel der Automatik. Beim Einsteigen fährt ein kleiner Zylinder aus der Mittelkonsole. Zweimal nach rechts gedreht auf "D" und es kann losgehen. Das Motorengeräusch ist unspektakulär und kaum zu hören. Im Jaguar XF arbeitet ein Dreiliter-Diesel. Das ist natürlich ein Affront für alle, die die englische Marke mit mächtigen Acht- und Zwölfzylinder-Benzinern in Verbindung bringen - und doch eine sinnvolle Alternative in Zeiten, in denen Sprit gespart und Firmenwagen vor allem als Selbstzünder geordert werden.

Mit 300 PS ist der Jaguar sicher nicht untermotorisiert. Die Leistung macht sich auf der Straße sofort bemerkbar. Selbst in der Fahrstufe "Normal" ist der XF bissig. Die Gänge der Achtgangautomatik wechseln kaum merklich, das Auto klebt in den Kurven und beschleunigt so brachial, dass es den Fahrer in den Sitz presst. An die angenehmen Reiselimousinen, die Jaguar in den vergangenen Jahrzehnten baute, erinnert das nur noch wenig. Sportlichkeit heißt die Maxime, das zeigt sich auch beim Fahrwerk. Selbst die Konkurrenz von BMW und Audi wirkt brav dagegen. Im Jaguar spüren die Insassen jede Unebenheit im Straßenbelag.