Isuzu Trooper / Mitsubishi Pajero Sport Komfort in rustikaler Hülle

Isuzu legt den Trooper, der vormals ein Opel Monterey war, neu auf

(SZ vom 11.03.2000) Nicht einmal ein Jahr ist es her, da verkündete Opel, dass man den kurz zuvor gründlich überarbeiteten großen Geländewagen namens Monterey wegen allzu schwacher Nachfrage aus dem Angebot gestrichen habe. Es hat allerdings nicht lange gedauert, bis das von Opel freiwillig geräumte Gelände wieder besetzt war - mit akkurat demselben Modell, das jetzt allerdings Isuzu Trooper heißt und sich damit offen zu seiner japanischen Abstammung bekennt.

Zum Comeback hat dem großen Off-roader ein vergleichsweise kleines Unternehmen verholfen: die schweizerische Emil-Frey-Gruppe. Sie betreibt europaweit acht Importfirmen und vertritt hier zu Lande bereits die Marken Subaru und Proton - mit unterschiedlichem Erfolg: Die japanischen Allrad-Pkw laufen gut, während Proton nie so richtig Fuß zu fassen vermochte. Dass dem Trooper ein ähnliches Schicksal beschieden sein könnte, glaubt Alfred Basche, Geschäftsführer der im vergangenen Jahr gegründeten Deutschen Isuzu Vertriebs GmbH, nicht. Es sei allgemein bekannt, dass die japanische GM-Tochter gute Geländewagen baue, und der Trooper habe sich zudem bei seinem ersten Auftritt in den achtziger Jahren viele Freunde gemacht. Von der ersten Generation sind Basche zufolge noch 27 000 Fahrzeuge im Einsatz. Sie dürfen von Juni an die neu eröffneten Isuzu-Werkstätten (120 sollen es bis Ende 2000 sein) ansteuern, denn der Importeur hat die Gesamtkompetenz für alle in Deutschland zugelassenen Trooper übernommen. Mit dem Monterey sollen sich hingegen auch künftig die Opel-Betriebe beschäftigen.

Ein Konzept ohne Überraschungen

Das Vermarktungskonzept der neuen Verkaufsorganisation birgt keine Überraschungen. Der Trooper wendet sich an eine "sowohl luxus- als auch nutzen- und freizeitorientierte Klientel" und umgarnt sie mit einer üppigen Ausstattung: Servolenkung, ABS mit vier innenbelüfteten Scheibenbremsen, Airbags für Fahrer und Beifahrer, elektrisch beheiz-, verstell- und einklappbare Außenspiegel gehören unter anderem dazu sowie Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Leselampen für Fahrer und Beifahrer, Armlehnen an den Vordersitzen, vier Lautsprecher und Leichtmetallfelgen. Abgerundet wird das Komfortpaket - zumindest bei den Fünftürern - von einer Klimaautomatik.

Darüber könnte man glatt vergessen, dass der Trooper eigentlich kein Asphalt-Cowboy ist, sondern ein echter Offroader, der laut Isuzu "keinen Weg braucht - ihm genügt eine Richtung". Wird von Hinterrad- auf Allradantrieb umgeschaltet, was bis 100 km/h während der Fahrt möglich ist, und die Geländeuntersetzung eingelegt, meistert er auch schwierige Strecken. Böschungswinkel von 31 (vorne) und 27 Grad (hinten) erlauben dem Trooper, steile Anstiege und Abhänge zu überwinden, und die vom Hersteller genannte Wat-Tiefe von 60 Zentimeter macht deutlich, dass auch Gewässer keine unüberwindlichen Hindernisse darstellen. Auch das Fahrwerkskonzept - Einzelradaufhängung vorne, Starrachse hinten - stimmt. Nur die Mitteilung, dass sich das Lamellendifferenzial an der Hinterachse mit einer Sperrwirkung von 80 Prozent begnügt, lässt Geländespezialisten die Nase rümpfen.

Die Isuzu-Leute beunruhigt deren Missbilligung nicht, denn die Trooper-Zielgruppe bewegt sich nur selten durch raues Gelände, sondern hält sich lieber auf der Straße auf - oft mit einem Anhänger im Schlepptau, und für diesen Fall ist das Fahrzeug besonders gut gerüstet: Der 4,37 Meter kurze, 1,49 Meter breite und 1,85 Meter hohe Dreitürer darf bis zu 3,3 Tonnen an den Haken nehmen, und der Fünftürer mit einer Gesamtlänge von 4,8 Meter wird sogar mit 3,5 Tonnen schweren Anhängern fertig.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Wagen vom 158 kW (215 PS) starken V6-Ottomotor mit 3,5 Liter Hubraum angetrieben wird, der bei 3000/min ein Zugkraft-Maximum von 310 Newtonmeter bereitstellt, oder vom direkteinspritzenden Common-Rail-Turbodiesel mit drei Liter Hubraum, der eine Höchstleistung von 117 kW (159 PS) erzielt und bei 2000/min mit 330 Nm aufwartet. Dass beide Aggregate lediglich die Euro-2-Abgasnorm erfüllen, ist ihr größtes Manko. Um es abzuschwächen, hat Isuzu die Fahrzeuge auf 2810 Kilogramm aufgelastet. Das erlaubt die Besteuerung als Lkw, was beim vierzylindrigen Diesel besonders wichtig ist, weil dann nur 380 statt 1200 Mark jährlich ans Finanzamt abzuführen sind. Den erforderlichen Antrag liefert Isuzu zusammen mit dem Fahrzeug aus.

Die Preise weisen dem Trooper, obwohl sie unter denen des Monterey liegen, einen Platz unter den oberen Zehntausend der Geländewagen-Gilde zu. Für einen Dreitürer, dessen Serienausstattung lediglich die Klimaanlage vermissen lässt, sind mindestens 59 850 (Diesel) oder 66 900 Mark (V6) zu veranschlagen, die Fünftürer sind nicht unter 68 900 und 74 800 Mark zu haben. Soll eine Vier-Stufen-Automatik das Fünf-Gang-Schaltgetriebe ersetzen, erhöhen sich die Dreitürer-Preise um 2695 Mark, und auf der Rechnung für einen Fünftürer taucht sogar der Betrag von 2995 Mark auf, weil die großen Trooper mit Automatik in der Lage sind, das verfügbare Drehmoment variabel zwischen Vorder- und Hinterachse zu verteilen. Torque on demand heißt dieses elektronisch gesteuerte System.

Zu den Wettbewerbern, mit denen sich der Trooper auseinander setzen muss, gehört der Mitsubishi Pajero, von dem es mittlerweile eine verwirrende Zahl von Varianten gibt. Eine davon trägt die Bezeichnung Pajero Sport und ist mit dem Geländewagen ohne Namenszusatz, der mit jeder Überarbeitung Pkw-ähnlicher wurde und demnächst schon wieder erneuert wird, nur entfernt verwandt. Näher steht dem Pajero Sport der L 200, der Pickup im Mitsubishi-Angebot. Dass ein robuster Pritschenwagen als Basis diente, ist der 4,61 Meter langen geschlossenen Variante freilich kaum noch anzusehen. Das erkennt man allenfalls noch daran, dass der Allradantrieb nicht permanent, sondern zuschaltbar ist und dass schwierigere Passagen mit Hilfe einer Geländeuntersetzung sowie eines selbst sperrenden Hinterachsdifferenzials bewältigt werden können. Ansonsten gibt sich die Neuauflage, die vor kurzem bei den Händlern eingetroffen ist, edel und hat - von den mit beigem Leder bezogenen beheizbaren Sitzen über die Klimaanlage bis zur fernbedienbaren Zentralverriegelung - alles an Bord, was der Bequemlichkeit dient.

Sicherheit auf Pkw-Niveau

Für eine komfortable Form der Fortbewegung bürgt auch der Antrieb, ein 3,0-Liter-V6-Ottomotor mit einer Höchstleistung von 130 kW (177 PS) bei 5000/min und einem Drehmomentmaximum von 255 Nm bei 4500/min. Die Gangwechsel erfolgen mit Hilfe einer weich schaltenden Vier-Stufen-Automatik, die sich auf das Temperament des Fahrers einstellt. Die Sicherheitsausstattung orientiert sich am Pkw-Niveau: Es fehlen weder ABS noch die Frontairbags für Fahrer und Beifahrer.

Der Pajero Sport ist für 65 990 Mark zu haben, doch 85 Prozent der 2100 Kunden, die Mitsubishi bis zum Jahresende gewinnen will, werden nach Schätzungen des Importeurs mindestens 66 970 Mark ausgeben. Soviel kostet die Pajero Sport-Sonderedition. Der kleine Zuschlag von 980 Mark räumt den Käufern die Möglichkeit ein, eine hochwertige Sportausstattung mit zu erwerben und sich so einen Preisvorteil von rund 2000 Mark zu sichern. Zur Wahl stehen ein voll gefedertes Mountainbike, zwei Paar Carving Ski inklusive Bindung und Stöcken, eine Golf/Tennis- oder eine Tauchausrüstung. Sogar an den Fall, dass nichts dergleichen benötigt wird, ist gedacht: In diesem Fall darf sich der frisch gebackene Pajero-Sport-Besitzer mit Begleitung eine Woche lang in einem Hotel am Wörthersee einquartieren.

Von Gerlinde Fröhlich-Merz