Von Karl-Heinz Büschemann

Der frühere VW-Vorstand wirft den Fahrzeugherstellern falsche Modellpolitik und mangelndes Umweltbewusstsein vor.

Der Publizist und Berater Daniel Goeudevert war Manager der Autoindustrie und wurde einer ihrer Kritiker. Im SZ-Interview verwirft der Franzose, der in Genf und Südfrankreich lebt, die üblichen Argumente der Autokonzerne, warum sie große und schnelle Fahrzeuge anbieten und nur bedingt umweltgerecht sein können.

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SZ: Herr Goeudevert, der Verkehr trägt maßgeblich zur Klimakatastrophe bei, das Erdöl geht nur Neige. Wie lange können wir noch Auto fahren?

Daniel Goeudevert: Kein Zweifel, wir nähern uns dem Ende des Erdölzeitalters. Benzin und Diesel aus Erdöl haben nur noch eine Zukunft von 25 bis 30 Jahren. Dann ist es aus. Selbst wenn wir demnächst Öl aus Sand und Gestein gewinnen können, wird es sehr teuer. Autofahren wird zu den Preisen von heute nur noch zehn bis 15 Jahre möglich sein. Die Menschen werden daher weniger Auto fahren.

SZ: Die IAA in diesem Jahr wird grün, heißt es. Alle Hersteller werden ihre spritsparenden und klimaschonenden Autos in den Vordergrund schieben. Ist das nicht ein Fortschritt ?

Goeudevert: Es gibt inzwischen ein Bewusstsein, dass etwas getan werden muss. Das war vor fünf Jahren noch nicht so. Aber auf der IAA wird von 20 Autos höchstens eines ein ökologisches Fahrzeug sein.

SZ: Selbst Porsche zeigt den Geländewagen Cayenne mit Hybrid-Antrieb.

Goeudevert: Ja, schon. Cayennes machen aber nur einen Bruchteil des Marktes aus. Es geht doch um die Autos für die Massen und für die großen Märkte in Indien oder China. Da steckt das Problem. Die deutsche Autoindustrie hat die Frage noch nicht beantwortet, ob sie wirklich als Treiberin von Technologie für den Klimaschutz auftreten will. Ich finde es traurig, dass eine Firma wie Toyota als einzige den Mut hatte, vor einigen Jahren den Hybrid-Antrieb auf den Markt zu bringen, obwohl diese Technologie in Deutschland schon seit 20 Jahren existiert. Wir sind in Deutschland spät dran.

SZ: Spartechnologie ist teuer. Wie sollen die Chinesen oder Inder, die sich jetzt ein Auto kaufen wollen, diese Spartechnik bezahlen?

Goeudevert: Ein Toyota mit Hybrid-Motor ist nicht teurer als ein konventionelles Auto. Das ökologische Auto ist die Chance der Deutschen auf dem Weltmarkt. Sie haben sogar eine besondere Verantwortung. Solange aber die deutsche Autoindustrie dieses Zeichen in Richtung Ökologie nicht setzt, wird die Welt der Kunden auch nicht glauben, dass das nötig ist. Es macht mich traurig, dass sie ihre führende Stellung nicht nutzt, um der ganzen Welt zu zeigen, wo es langgeht. Wenn es die Deutschen nicht machen, werden es die Japaner übernehmen. Oder die Chinesen bauen diese Autos selbst.

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