Initiative von Verkehrsminister Dobrindt Güterzüge sollen leiser werden - per Gesetz

Schlosser der Deutschen Bahn erklären Bahnchef Grube (l.) und Verkehrsminister Dobrindt, wie Güterzüge künftig leiser fahren sollen.

(Foto: dpa)
  • 34 Prozent der Bundesbürger sind von Schienenlärm betroffen. Dafür sind vor allem laute Güterzüge verantwortlich.
  • Bis 2020 soll der Schienenlärm halbiert werden. Alexander Dobrindt (CSU) will in Berlin ein Gesetz vorantreiben, dass das gewährleistet.
  • Notfalls will der Bundesverkehrsminister Tempolimits oder gar nächtliche Fahrverbote durchsetzen.
Von Markus Balser, Berlin

An kaum einem anderen Ort in Deutschland fahren mehr Züge: Die Rheintalstrecke zwischen Bonn und Koblenz ist eine der am meisten befahrenen Bahnrouten des Landes. Bis zu 600 Züge passieren die Trasse täglich, davon 290 Güterzüge. Willi Pusch weiß, was das für Anwohner bedeutet. 81 Dezibel hätten Behörden nachts in seiner Nachbarschaft wegen des Lärms der Güterzüge gemessen, erzählt Pusch. Arbeitsschutzgesetze schreiben da längst Gehörschutz vor. Die Züge aber donnern weiter. Mit Folgen: "Die Menschen ziehen weg, Immobilien werden wertlos", klagt Pusch, Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm.

Besonders Güterzüge gelten inzwischen bundesweit als großes Lärmproblem. Wo immer Trassen ausgebaut werden sollen, formiert sich deshalb Protest. 2000 Demonstranten wehrten sich im vergangenen Jahr allein in Koblenz gegen den Lärm von der Schiene. Einer Studie des Umweltbundesamts zufolge sind 34 Prozent der Bundesbürger von Schienenlärm betroffen. Das sind zwar deutlich weniger als vom Straßenlärm (54 Prozent). Aber auch deutlich mehr als vom Flugverkehr (23 Prozent).

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Die Umrüstung der Züge läuft schleppend

Umweltschützer und Bürgerinitiativen fordern deshalb seit langem ein striktes Verbot lauter Güterzüge. Das Nationale Verkehrslärmschutzpaket II sah bereits 2008 vor, den Schienenlärm bis 2020 zu halbieren. Doch die Umrüstung der Waggons und Lokomotiven läuft bislang schleppend. Nur ein kleiner Teil der 180 000 registrierten Waggons in Deutschland sind bislang auf leise Technik - vor allem leisere Bremssysteme - umgerüstet. Denn bislang setzte die Politik auf Freiwilligkeit und Förderanreize.

Das soll sich bis zum Jahresende ändern. Am Mittwoch machte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin klar, dass er ein Gesetz vorantreiben will, das die Lärmbelastung gerade bei Güterzügen deutlich reduziert. "Wir arbeiten an einem Fahrverbot ab 2020 für laute Güterzüge", kündigt Dobrindt an. Sein Ministerium erarbeite gerade einen entsprechenden Gesetzesentwurf, der bis zum Ende dieses Jahres beschlossen werden soll, kündigte Dobrindt am Mittwoch bei einer Konferenz zum Schienenverkehr in Berlin an.