Das Auto erteilt seinem Fahrer zudem eine Lektion in Physik: Verzögern ist das Gegenteil von beschleunigen. Sobald der Fuß das Pedal verlässt, bremst der Elektro-Mini. Er klingt dann ein wenig wie eine Straßenbahn, die Folge der Geräusche kehrt sich um, der Antrieb verwandelt Schwung zurück in Strom und speist damit seine Batterie. Das Rollen im Berufsverkehr muss man zwar neu lernen, kann das Auto aber dann sicher bewegen, ohne das Bremspedal zu benutzen.

Anzeige

Doch auch ein Auto aus der Zukunft muss die Niederungen der Gegenwart bewältigen. Und das heißt: laden, laden, laden. Man tankt stets viel länger als man fährt. Insgesamt 16 Mal hing der Elektro-Mini während der vier Wochen an einer Steckdose. Seine Batterie fasst 35 Kilowattstunden, mit Drehstrom zu 380 Volt dauert es fünf Stunden, sie komplett zu füllen. An der 220-Volt-Steckdose steht der Wagen zwölf Stunden. Er verbrachte ganze Nächte eingestöpselt vor dem Gartenzaun. Morgens mit klammen Fingern das dicke und widerspenstige orange Kabel aufzurollen, gehörte nicht zu den Höhepunkten des Tests.

In Zukunft wird der Nutzer wohl bei jedem Parken das Kabel anschließen können. In der Gegenwart ist das schwierig. Zwar hat der Stromkonzern Eon, der der SZ den Testwagen zur Verfügung stellte, in München zwölf Ladestationen aufgestellt. Und es war ein besonderes Vergnügen, im Innenhof des Deutschen Museums zu parken, beim bayerischen Wirtschaftsministerium vorzufahren oder das Auto beim Einkaufsbummel in der Innenstadt kostenlos am Lenbachplatz abzustellen. Überall dort finden sich silber-rote Stromtanksäulen.

Doch jede Fahrt außerhalb der City verlangte genaue Planung: Reicht die Energie? Wo bekommt man Strom und wie lang dauert das Laden? Die Reichweite ist überdies kein fixer Wert. BMW gibt eine Strecke von 250 Kilometer pro Batterieladung an, die der Elektro-Mini aber höchstens auf dem Prüfstand erreicht. Amerikanische Fahrer kämen im Mittel auf 160 Kilometer, heißt es auf Nachfrage. Das habe ich mit dem Mini-E kaum jemals geschafft. Nach 105 Kilometer bei Sonnenschein um den Starnberger See stand die Batterieanzeige auf 37 Prozent, das ergibt eine Reichweite von 167 Kilometer. Aber an kalten Herbstmorgen sank der Füllstand so schnell, dass der Wagen kaum 100 Kilometer geschafft hätte.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 3 nächste Seite

  1. Zurück in die Zukunft
  2. Sie lesen jetzt Das Rollen im Verkehr muss man neu lernen
  3. Eine Steckdose sucht man immer früher als nötig
Leser empfehlen