Der VW-Konzern stemmt sich auf der IAA mit einer glamourösen Auto-Party gegen die Krise - und beschwört die neue Einigkeit des Konzerns.
Langsam schlendert er über die Bühne, schüttelt Hände, lächelt. Dann steht er eine Stunde lang da. Unbeweglich, starr schaut er sich die neuen Modelle an, die meiste Zeit hält er die Arme verschränkt. Vom Band kommen wummernde Disco-Klänge, von der Decke grelle Spots. All das passt nicht unbedingt zu jemandem wie Martin Winterkorn, 62. Aber er lässt sich nichts anmerken, spielt die Rolle bis zum Schluss.
Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat gut lachen. Auf der IAA präsentierte er ein Elektrofahrzeug namens "E-Up!". Der Konzern inszeniert in Frankfurt die große Show. (© Foto: ddp)
Anzeige
Mag draußen auch die Krise toben, mögen Analysten und Experten auch magere Zeiten für die Autobauer prophezeien - hier in der Frankfurter Jahrhunderthalle feiert VW zum Auftakt der IAA gegen die schlechte Stimmung an. Es ist eine Art Werkschau: VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Scania - Schlag auf Schlag werden die neuen Modelle präsentiert. Die Konzerndramaturgen setzen auf eine Mischung aus alter ZDF-Hitparade und modernem Shopping-Kanal-Ambiente. In der Mitte eine runde Bühne, dort geben die Konzernmarkenchefs die Stars, die Journalisten ringsherum das Publikum. Viele von ihnen klatschen. Je größer das Auto, desto größer der Applaus.
Am Anfang kommt der neue Skoda-Combi vorgefahren, heraus kommt eine Familie mit Koffern, Tochter und Teddybär. Skoda-Vorstand Reinhard Jung fährt mit der Hand über den Kofferraum. Der neue Seat-Chef James Muir hält den linken Arm angewinkelt, mit dem rechten fährt er die Formen des neuen Seat Ibiza ab. "Ich bin überzeugt, dass wir mit viel Blut und Schweiß weiterkommen werden", sagt er über die kriselnde Spanien-Tochter. Der Chef der Edelmarken Bugatti und Bentley, Franz-Josef Paefgen, hält fest: "Der Mensch will Luxus", und doziert über die Vertrauenskrise: "Ich denke, das wird sich irgendwann wieder legen."
Ja, die Krise ist da, aber VW will sie wegfeiern. Optimismus wird verbreitet. Dabei setzt der Konzern auf alles: Ein-Liter-Autos, E-Wagen, Spritfresser, italienische Nobelkarossen. Es soll für jeden etwas dabei sein. VW als 360-Grad-Konzern. Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann zum Beispiel. Enger Nadelstreifenanzug, nackenlange Locken, markantes braungebranntes Gesicht, umgibt sich mit einem 670-PS-Fahrzeug mit Allradantrieb und zwei leichtbekleideten Damen, begrüßt seine Zuhörer mit "Signore e Signori" und jeder weiß: Das ist jetzt der italienische Teil des Abends. Der Lamborghini kostet 1,1 Millionen Euro und Winkelmann sagt: "Wir wollen in Zeiten der Krise Autos, die begeistern."
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- IAA 2009 Zwischen Traum und Trauma 15.09.2009
- IAA 2009 Mobilität in den Zeiten des Abspeckens 14.09.2009
- Internationale Automobil-Ausstellung Merkels Motorvisionen 12.09.2009
- IAA im Wandel der Zeit Show war gestern 09.09.2009
- IAA 2009: Ferrari 458 Italia Schumis Straßenrenner 23.11.2009
- Ferrari 458 Italia Schumis Straßenrenner 23.11.2009
- Luxusautos in der Krise "Wir sind zeitgemäß" 29.09.2009
Retuschierte Stars
Politiker sollten doch eine gewisse Vorbildfunktion haben (ich weiß, hört sich irgendwie lächerlich an, sollte aber so sein). Momentan spricht ja fast jeder Politiker von Autos mit Elektroantrieb. Natürlich werde auch auf der IAA wieder welche gezeigt, und so mancher Politiker grinst dann hinterm Steuer eines solchen Wagens; für's Image. Wieso werden dann nicht alle Staatkarossen, bekanntlich die reinsten Dreckschleudern, gegen 'saubere' Autos mit Elektroantrieb ausgetauscht?