Von Von Jürgen Wolff

Der Kreiskolbenmotor des Felix Wankel gilt nicht als ökologisch vertretbar: hoher Verbrauch, viele Emissionen. Warum hält ihm Mazda trotzdem die Treue und sieht in ihm sogar den idealen Wasserstoff-Motor?

Seita Kanei ist sich sicher: Die Zukunft läuft rund. Der Mazda-Technikchef íst sich sicher, dass am Wasserstoff als Treibstoff für Motoren künftig kein Weg vorbei führt. Nur wie und womit das saubere Knallgas die Autos voran treibt - davon hat er seine eigenen Vorstellungen: Es gebe, propagiert der 57-Jährige, keinen besseren Wasserstoff-Motor als die Weiterentwicklung des guten alten Wankel. Und Kanei liefert dafür eine durchaus plausible Erklärung: Im Wankel ist Platz für zwei.

Mazda Wankel Hydrogen

Laut Mazda bietet der Wankelmotor große Vorteile - für den Wasserstoffbetrieb. (© Foto: Pressinform)

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Aber der Reihe nach. Seit Felix Wankel vor 50 Jahren bei NSU den nach ihm benannten Kreiskolbenmotor vorstelllte, ging es mit dem Aggregat im Grund nur bergab. In Deutschland trieb er Ende der sechziger Jahre serienmäßig für zehn Jahre nur den legendären NSU Ro 80 an. Die Limousine war alles andere als ein Erfolg. Danach waren es nur noch die Ingenieure bei Mazda, die dem schnell rotierenden Kolben im Autobau fest die Treue hielten und das Prinzip kontinuierlich weiter entwickelten. Seit 1963 bauen sie ihn in ihre Sportwagen ein und schafften 1991 mit einem 700-PS-Wankel gar einen Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Der Wankel läuft so ruhig wie sonst kein anderer Motor

Der größte Vorteil des Wankels lag bislang in seiner Laufruhe - selbst bei Vollgas produziert er kaum Vibrationen. Das demonstrieren die Techniker bei Mazda den Besuchern im japanischen Hiroshima gerne mit einem Glas Rotwein: Oben auf den Motorblock gestellt, kräuselt sich die Oberfläche des Weines nicht einmal dann, wenn sie die Leistung auf dem Prüfstand voll hochdrehen.

Den Vorteilen stehen allerdings Nachteile gegenüber, die zumindest bislang alle Hersteller außer Mazda vom Kreiskolbenmotor so weit ferngehalten haben wie den Teufel vom Weihwasser. Der Kraftstoffverbrauch beim Wankel ist rund 16 % höher als bei einem Zylinder-Motor gleicher Leistung - was damals vor allem dem in die erste Ölkrise hinein geborenen Ro 80 den Garaus machte. Ein weiterer Nachteil ist die weniger prickelnde Kraftentfaltung des Wankel. Mazdas RX-7 etwa ist mit ihm zwar sportlich flott, aber nicht gerade atemberaubend spritzig unterwegs.

Einen weiteren Nachteil zeigt ein Blick in Mazdas Motorenfertigung: Viel und teure Handarbeit ist nötig. Zwar setzt sich der Kreiskolbenmotor unterm Strich aus weniger Einzelteilen zusammen als etwa ein Vierzylinder. Aber diese Teile müssen meist gefühlvoll von Hand zusammengepusselt werden. Es braucht schon die Sensibilität des menschlichen Daumens, um den richtigen Federungswiderstand der zarten Dichtungen zu ertasten. Allein dafür werden die Mitarbeiter bei Mazda einen Monat lang geschult. Genug Gründe also, dass der Wankel außer bei Mazda nirgendwo erste Wahl ist.

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