Honda CRF1000L im Fahrbericht Die Africa Twin feiert eine gelungene Rückkehr

Die neue Honda CRF1000L Africa Twin kostet mindestens 11 805 Euro.

(Foto: Honda)

Trotz Kultstatus war Hondas Reiseenduro lange vom Markt verschwunden. Nun kommt die Neuauflage, die besonders Motorrad-Puristen überzeugt.

Test von Thilo Kozik

Die Honda Africa Twin ist seit ihrem Debüt 1988 als XRV 650 eine feste Größe im Motorrad-Reisekosmos. Ihren Ruf hat sie sich durch alltagstaugliche Ausgewogenheit, robuste Unverwüstlichkeit und vor allem durch ihre Vielseitigkeit erworben - ob Asphalt oder Geröllfeld, überall fühlt sie sich wohl. Fernreisende haben ihr daher schon zu Lebzeiten Kultstatus verliehen, nach ihrem Ableben aus dem Honda-Modellprogramm 2003 wurde sie - inzwischen auf 750 Kubik angewachsen - vollends zur Legende.

Nicht erst seitdem hat sich die Gattung der Reiseenduros weiterentwickelt: immer mehr Hubraum, mehr Leistung, mehr Gewicht. Und Fahrvergnügen auf der Landstraße. Den Kern der Idee, nämlich mit dem Motorrad auch den entlegensten Winkel der Welt erkunden zu können, hat man darüber freilich etwas aus den Augen verloren. Der Neuauflage der African Twin fieberten die Fans also geradezu entgegen, zumal Honda die Rückkehr zu den Wurzeln versprach.

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Weniger wuchtig als viele andere Reiseenduros

Tatsächlich wirkt die 2016er-Africa Twin weniger wuchtig als viele andere Reiseenduros, die langbeinige Silhouette wirkt schlank und durchaus filigran. Als Antrieb kommt ein Reihenzweizylinder zum Einsatz, der weniger Platz in Anspruch nimmt als der traditionelle V-Motor der alten XRV-Modelle. Aus 998 cm3 Hubraum schöpft der flüssigkeitsgekühlte Einspritzer 95 PS Leistung und 98 Nm Drehmoment.

Das ist eher unspektakulär, doch die Honda-Ingenieure haben sämtliche Register gezogen, um den Antrieb für gute Massenzentralisierung und Bodenfreiheit möglichst kurz und kompakt zu halten. Eine 270-Grad-Kurbelwelle beschert dem Reihentwin eine pulsierende Leistungsabgabe. Untermalt von einem kräftig-sonoren Sound tritt die Honda sauber dosierbar an, die leichtgängige Anti-Hopping-Kupplung und das gut rastende Sechsganggetriebe machen die ersten Meter leicht. Auf Überbrückungsetappen kommt bisweilen der Wunsch nach etwas mehr Drehmoment auf, und auch ein Tempomat wäre nicht schlecht - da Honda kein Ride-by-wire nutzt, gibt es den nicht mal optional.

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Solides Fahrverhalten

Auf kurzweiligen Abschnitten zeigt der Motor, was er kann: Sauber geht der Twin ans Gas, läuft kultiviert und schiebt schon bei niedrigen Drehzahlen lustig voran. In der Mitte gibt er sich enorm durchzugsstark, um ab 8000 Umdrehungen allerdings etwas zu ermatten.

Beim Fahrwerk setzen die Japaner auf Bewährtes ohne Schnickschnack - die Rückkehr zur klassischen Enduro-Reifendimension mit 21- Zoll-Vorderrad und 18-Zoll-Hinterrad samt langen Federwegen beschert ein solides Fahrverhalten. Dank gelungener Grundabstimmung gleitet die Africa Twin über schlechten Untergrund komfortabel weg, ohne es bei forcierter Kurvenfahrt an Stabilität fehlen zu lassen. Lediglich in schnell gefahrenen Wechselkurven verlangt die Honda ein wenig Körpereinsatz. Das recht hohe Gewicht von 232 kg macht sich dank perfekter Balance nicht bemerkbar. Elektronik bietet die neue Africa Twin nur in Form einer abschaltbaren dreistufigen Traktionskontrolle sowie einem ABS, das sich am Hinterrad abschalten lässt und sehr effektiv verzögert.

Die Africa Twin kommt als Standardmodell für Puristen ohne Elektronik (11 805 Euro), mit ABS, Traktionskontrolle und LED-Blinker (Aufpreis 600 Euro) und mit zusätzlichem Doppelkupplungsgetriebe DCT (1120 Euro mehr).

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