Handy-Verbot in der Kritik "Ich hab' gar nicht telefoniert"

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat schon im Jahre 2002 entschieden, das Mobiltelefon werde bereits dann verbotswidrig benutzt, wenn es nur inder Hand gehalten werde. Denn mit dem Verbot solle gesichert werden, dass der Fahrer beide Hände für die Bewältigung der Fahraufgabe freihabe.

Unter Benutzung im Sinne der Straßenverkehrsordnung sei jegliche Nutzung eines Mobiltelefons zu verstehen. Auch wer beim Warten an einer roten Ampel das Telefon zur Hand nehme, verhalte sichordnungswidrig. Und auch, wer sein Handy als Diktiergerät benutzt, erhöht seinen Kontostand in der Flensburger Kartei.

Essen, CD-Player und Navi bedienen: alles erlaubt

Allein das OLG Köln (Az.: 83 Ss OWi 19/05) hat eine Ausnahme zugelassen, wenn der Fahrer das Mobiltelefon nur in die Hand nimmt, um es von einem Platzauf einen anderen zu legen. Die rigide Rechtsprechung erleichtert die Beweisführung der Polizei. Aber in juristischen Fachzeitschriften hagelt es inzwischen Kritik.

Die Rechtsanwälte Sven Hufnagel (Aschaffenburg) und Markus Keerl (Stuttgart) sowie Professor Uwe Scheffler von der Universität Frankfurt/Oder, sämtlich ausgewiesene Verkehrsrechtsexperten, bemängeln die Widersprüche in der Bewertung. Man dürfe am Steuer doch straflos essen, trinken und rauchen, könne das Radio, den CD-Player, die Navigation bedienen, Notizblöckeund reine Diktiergeräte in die Hand nehmen und benutzen.

Das Gebot, immer beide Hände am Steuer zu belassen, könne, so Professor Scheffler ironisch, das Ende des Schaltgetriebes einleiten. Auch die Kritiker sind sich darin einig, dass Telefonieren am Steuer gefährlich ist. Aber die jetzige Vorschrift sei hierzu nichtgeeignet. Es bestehe also Handlungsbedarf - was das Bundesverkehrsministerium freilich nicht so sieht.

Die Verkehrsrechtler empfehlen, künftig allein das echte Telefonieren zu bestrafen, alles Andere könne auch nach den Regeln der Generalklauselder Straßenverkehrsordnung bestraft werden, denn in Paragraf 1 heißt es: "Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.