Verkehrsrechtler kritisieren das absolute Handy-Verbot für Fahrer: Wer zum kleinen Alleskönner greift, will damit schließlich oft gar nicht telefonieren.
Man sieht sie überall: Die Autofahrer mit dem Handy am Ohr. Im dichten Stadtverkehr. Mit Tempo 180 auf der Autobahn. Im Stau. Wer erwischt wird, muss 40 Euro bezahlen undbekommt einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei.
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Alle Ausreden der Sünder, gar nicht telefoniert zu haben, prallen bislangan den Gerichten ab. Es reicht, ein Handy in der Hand zu halten, damit das Bußgeld fällig wird. Doch inzwischen regt sich Kritik ander Rechtsprechung. Sie stehe im Widerspruch zu dem, was ansonsten im Auto erlaubt ist, sagen renommierte Verkehrsrechtler.
Die Straßenverkehrsordnung sieht im Paragrafen 23 1a klipp und klar vor: "Dem Fahrzeugführer ist die Benutzung eines Mobil- oderAutotelefons untersagt, wenn er hierfür das Mobiltelefon oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist."
Ausreden über Ausreden
Kaum eine Vorschrift wird so häufig und bedenkenlos übertreten wie dieses Handyverbot. Neuere Schätzungen gehen von bundesweit mehr als 300.000 Verstößen pro Jahr aus. Durch diese Zahlen sah sich der Gesetzgeber veranlasst, den Verwarnungstatbestand im April 2004 zu einem Bußgeldtatbestand hochzustufen.
Doch die vorherrschende Volksmeinung, nur das Telefonieren sei verboten, führen zu massenhaften Einsprüchen gegen die Bußgeldbescheide mit der der Standardbehauptung: "Ich habe gar nicht telefoniert." Es folgen Ausreden wie: "Ich habe das Handy zwar in der Handgehabt, aber nur, um eine gespeicherte Notiz oder die Uhrzeit abzulesen." Dagegen kämpfen die Oberlandesgerichte von Jena bis Karlsruhe und von Hamm bis Bamberg an.
Die Juristen bedienen sich eines Kunstgriffs. Sie nehmen zwar die Ausreden der Betroffenen als unwiderlegbar hin, verwerfen sie aber als rechtlich unbeachtlich.
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... ich würde ja gerne jedes Auto, dessen Fahrer ich beim Telefonieren mit einem Handy sehe (am Ohr) mit einer Farbpatrone abballern. Da mag es auch die typischen freudschen Fehlleistungen geben, aber ab einer gewissen 'Buntheit' könnte die Polizei den Fahrer dann einfach mal Pauschal seiner Sim-Karte berauben...
Weder das Handy noch das Telefonieren sind das Problem, sondern die mangelnde Fähigkeit am Strassenverkehr ordentlich teilzunehmen, sei es weil man Telefoniert, mit dem Nachbarn streitet oder Zeitung liest.
Man sollte Fahrfehler wesentlich strenger ahnden, dann würden die Leute vielleicht von selbst nicht mehr auf den Gedanken kommen, ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Oder sie wären eben ihren Führerschein los. Dieser Ansatz, immer irgendwelche Begleitumstände bewerten zu wollen, an Stelle direkt das Fahrverhalten zu sanktionieren, leuchtet mir nicht ganz ein.
wie sinnlos die im artikel beschriebene praxis der bestrafung ist zeigt folgender artikel:
tp://www.sueddeutsche.de/automobil/artikel/738/79659/
nicht die fehlende hand am steuer ist das problem, sondern das gespraech mit einer person, die sich nicht im wagen befindet. im uebrigen haben dies bisher nicht nur irgendwelche ami-studien festgestellt, sondern auch der ADAC.
seltsam, das dies von unserer sonst doch schnell schiessenden legislativen bisher ignoriert wurde und wird. ja, es wird sogar empfohlen unbedingt eine freisprecheinrichtung zu benutzen.
Wie oft schon an Kfz's vorbeigefahren, deren Fahrer sich im Stadtverkehr seltsam um enge Kurven bewegen bzw. einschlägige Oberklasse-Limousinen, die auf der Autobahn plötzlich die Spur wechseln, um dann mit 100 km/h durch die Gegend zu kriechen? Der Blick auf den Inhalt ist fast immer der gleiche: heftig telefonierend Fahrer oder - neuester Trend - mal zwischendurch eine kleine mail auf dem PDA! Das macht man dann beidhändig, man hat ja noch die Knie zum Lenken. Und, sollte man denn doch mal den einen oder anderen Kollegen oder Freund auf das potentielle Gefährdungspotential ansprechen, stößt man fast immer auf komplettes Unverständnis und die feste Überzeugung, diese kleinen Nebenbeschäftigungen während der Fahrt auf jeden Fall bestens meistern zu können. Mir ist ein telefonierendes Wesen an einem Stauende fast ungebremst ins Auto gekracht und ich hatte zum Glück keinen Kleinwagen; so waren's nur 12.000 Euro Sachschaden...
Pro Tag also ca. 850 Verstöße, deutschlandweit? Das ist vielleicht der Zählerstand an einer Messstelle an einer Autobahn, die Hochrechnung wurde da wohl vergessen.