Sein Motor, den er nun in Serie baut, entpuppt sich als das erhoffte Universaltalent. 1887 treibt er eine Straßenbahn an, die zum Cannstatter Volksfest und zurück in die Stadt pendelt: Das ist eine große Belustigung fürs Volk, und - sehr clever - eine erstklassige PR-Aktion. 1889 fährt die erste Straßenbahn mit Daimler-Motor in Paris, 1891 in Palermo. Daimler baut Feuerspritzen, Draisinen und rüstet 1888 sogar ein Luftschiff aus, das erste motorisierte der Welt. Erstaunliche zehn Kilometer weit schwebt es durch die Lüfte.
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Doch auch am Thema Automobil arbeitet Daimler intensiv weiter. Er konstruiert mit Maybach einen Stahlradwagen, rüstet ihn mit einem Zweizylinder aus und lässt das Kühlwasser in den Stahlrohren des Rahmens zirkulieren. 1,5 PS leistet er, und es gibt bereits ein richtiges Getriebe mit Zahnrädern. 1889 steht dieses "Motor Quadricycle" auf der Weltausstellung in Paris. Und sorgt umgehend für Furore: Die Firma Panhard & Levassor erwirbt die Nutzungsrechte, und noch 1889 beginnen sie mit der Produktion des Motors. So schiebt Gottlieb Daimler die Gründung der französischen Automobilindustrie maßgeblich mit an.
Schlag auf Schlag geht es weiter. Auch wirtschaftlich. Gemeinsam mit Geldgebern gründet Daimler 1890 die Daimler-Motoren-Gesellschaft, kurz DMG. Doch es zeigt sich, wie unterschiedlich ihre Zielsetzungen sind. Wilhelm Maybach verlässt das neue Unternehmen schnell wieder, 1894 folgt ihm Daimler - tief enttäuscht über seine Partner, die ihm sogar den Konkurs androhen. Dass beide Ende 1895 zurückkehren können, ist Folge eines glücklichen Umstands: Englische Lizenz-Interessenten machen ihre Unterschrift von einer Mitarbeit der Konstrukteure im Unternehmen abhängig.
Mit dem sogenannten "Riemenwagen" startet in den 1890er Jahren eine neue Generation von Automobilen. Weiter geht es mit dem ersten Omnibus, 1895, und dem ersten Motor-Taxi in Stuttgart, 1897. Bis zu fünf Tonnen können die Lastwagen bereits schleppen, für Brauereien und Spediteure bricht eine neue Ära an.
So schreibt der Stern tatsächlich Geschichte: Er wird zu einem der bekanntesten Markenzeichen der Welt. Daimler glaubte an die Motorisierung der Massen, doch erleben darf er sie nicht mehr: Der Mobilitäts-Pionier stirbt am 6. März 1900, kurz vor seinem 66. Geburtstag. Mit Karl Benz übrigens, seinem Konkurrenten, hat Gottlieb Daimler zeitlebens nie gesprochen.
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(SZ vom 16.3.2009/gf)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Dass Gottlieb Daimler die Königliche Polytechnische Schule in Stuttgart besuchte, um sich für das Fach der praktischen Mechanik zu bilden, beantwortet noch nicht, welcher Arbeitsweisen er sich auch danach bediente, die es leisteten, seine Patente hervorzubringen. Entscheidet eine Arbeitsweise darüber, was produziert werden kann, gilt es, diese weiterzuentwickeln, will man neue Produkte; ansonsten bricht sich jedes Vorhaben an den Grenzen des Wie. Strategische Investitionen nicht nur von Automobilherstellern charakterisiert somit, das Wie der Arbeitsweise zu entschlüsseln, noch bevor sie sich dem Was widmen können.