Die SPD bringt das Reizwort Tempolimit wieder in die Debatte. Auch bei diesem Thema stimmten die Delegierten gegen den Wunsch der Parteispitze - und fällten eine recht weitsichtige Entscheidung.
Die Drohkulisse - so werden es viele wieder auffassen - rückt erneut ein Stück näher. Wofür ein einziges Reizwort verantwortlich ist: Tempolimit.
Die Delegierten stimmten gegen die ausdrückliche Empfehlung von Umweltminister Gabriel. (© Foto: Reuters)
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Die SPD ist es, die dieses Wort - vor dem Hintergrund der andauernden Klima- und CO2-Diskussion - wieder aufs Tapet gebracht hat: Die Mehrheit der 525 Delegierten votierte am Samstag auf dem Parteitag in Hamburg für eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Kilometern pro Stunde. "Ein schneller und unbürokratischer Weg zum Klimaschutz", heißt es in dem Beschluss, "ist die Einführung einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h".
Die Delegierten stimmten damit gegen den Vorschlag der Antragskommission, aber auch gegen die ausdrückliche Empfehlung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel - was alleine schon einen ganz speziellen Beigeschmack hinterlässt und für die Weitsicht der Delegierten spricht.
Denn: Unter Auto-Fachleuten ist es längst unumstritten, dass das beste Mittel, um Sprit zu sparen und den CO2-Ausstoß (oder auch die Feinstaubbelastung) zu verringern, immer noch unser Fuß ist. Der Fuß, mit dem wir Gas geben.
Dieser Fuß ist es, den wir besser unter Kontrolle bringen müssen. Zumal wenig darauf Verlass ist, dass die Autoindustrie ihrer Selbstverpflichtung, zeitnah sauberere und umweltschonendere Fahrzeuge zu bauen, in gebührendem Umfang nachkommen wird. Bis dahin kann nur gelten: Jedes eingesparte Gramm CO2 hilft. Egal, wo und wie es eingespart wird. Geringere Geschwindigkeit heißt also in jedem Fall: Ressourcenschonung in jeder Hinsicht.
Ein Tempolimit, wie es im restlichen Europa längst Usus ist, hätte neben der erwünschten Klimaschonung aber noch ganz andere, angenehme Nebenerscheinungen: Die Hektik würde ein Stück weit aus unserem Alltagsverkehr verschwinden, gelassenes Gleiten könnte Einzug halten. Wenn alle, oder zumindest die meisten, ähnlich schnell und kontrolliert unterwegs sind, verringert sich zudem die Staugefahr - auch weil der Verkehr dann besser zu dirigieren ist. Die Mittel dafür sind vorhanden.
Wer einmal erlebt hat, wie entspannt es auf den schon lange tempolimitierten Autobahnen Frankreichs oder Italiens zugeht, kann diesen Beschluss nur begrüßen.
Sicher, unser Autobahnnetz ist eines der am besten ausgebauten, auch eines der sichersten in Europa. Gegner des Tempolimits appellieren gerade deswegen gerne an die Verantwortung des einzelnen Autofahrers. Aber: Diese Verantwortung bleibt beim lustvollen Rasen meist schnell auf der Strecke.
Das, was viele befürchten, ist doch: Würde uns mit einem Tempolimit wirklich ein Stück Freiheit genommen? Die Antwort darauf ist schnell gegeben: Von freier Fahrt für freie Bürger kann gerade auf unseren reglementierten Autobahnen ohnehin fast keine Rede mehr sein. Die tempofreien Zonen in Deutschland sind schon lange sehr begrenzt, sie machen weit weniger als zehn Prozent des gesamten Verkehrsnetzes aus.
Ob auf diesen paar Kilometern dann auch noch ein Tempolimit gilt oder nicht, ist fast schon egal. Die, die ihre PS-starken Sportwagen oder Oberklasse-Limousinen dann unbedingt "ausfahren" wollen und uns auf der Autobahn deswegen so oft an der hinteren Stoßstange kleben, müssen in Zukunft eben auf Rennstrecken ausweichen. Davon gibt es genügend in Deutschland - und sie sind in der Regel, gegen ein geringes Entgelt, auch freien Bürgern zugänglich.
Jetzt muss dieser Parteitagsbeschluss nur noch politisch umgesetzt werden. Aber es ist zu befürchten, dass es vor allem dabei - wieder einmal - nur sehr langsam vorangehen wird.
(sueddeutsche.de/mah)
Entspannter Vierbeiner
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