Von Joachim Becker

Überraschung in Genf: Die nächsten Hybrid-Modelle machen sich für Toyota richtig bezahlt. Damit ist das deutsche Argument des Kosten-Dilemmas vom Tisch.

Autofrühling einmal anders. Weiß und Eisblau sind erneut die Trendfarben auf dem Genfer Automobilsalon. Der winterliche Tarnanstrich wird jetzt auch als Camouflage für Spritfresser wie den Touareg BlueTDI verwendet. VW feiert den schneeweißen 2,3-Tonner als Saubermann, weil er strengste US-Abgasnormen erfüllt. Dass der 225-PS-Hüne im Schnitt 10,4 Liter Diesel verbraucht und 275 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, darüber schweigen die Wolfsburger lieber.

Genfer Salon Hybrid Klimaschutz

Ausblick: Mit dem Hybrid X gibt Toyota Hinweise auf den nächsten Prius, der 2009 kommen soll. (© )

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Genf ist der falsche Ort für Bescheidenheit. Entsprechend war der Automobilsalon schon immer eine Leistungsschau der Drei-bis-vier-Liter-Autos - Hubraum wohlgemerkt, nicht Verbrauch. Jetzt hat der Klimaschock die heile Gucci-Welt erreicht.

"Es gibt einen neuen Trend: Das Premium-ökologische Segment", sagt DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, "diesen steigenden Bedarf zu decken, sehe ich als Marktchance", fügt er hinzu. Nun versuchen die Autobosse, ihre Umweltbilanzen weißzuwaschen. "Kohlendioxid-Emissionen um 15 Prozent verringert", wirbt Mercedes für die neue C-Klasse.

Ärgerliches PR-Manöver

Wer auf zweistellige Spriteinsparungen hofft, sieht sich allerdings getäuscht. Weil die neuen Modelle zwar mehr Leistung bieten als ihre Vorgänger, aber nahezu gleich viel verbrauchen, müssen die Stuttgarter ihren Herstellungsprozess in die "positive Öko-Bilanz" einrechnen.

Das PR-Manöver ist umso ärgerlicher, weil der Konzern über wegweisende Spritspartechnologien verfügt. Der Mercedes CLS 350 CGI kommt seit letztem Sommer in den Genuss einer Kraftstoff-Diät, die mindestens zehn Jahre Entwicklungszeit und Milliarden Euro gekostet hat: Mit der Benzin-Direkteinspritzung (DI) der zweiten Generation lassen sich rund zehn Prozent Benzin sparen, weil die Motoren bis 4500 Umdrehungen extrem mager verbrennen.

Piezo-Injektoren direkt neben der Zündkerze öffnen und schließen bis zu 200 Mal pro Wimpernschlag, um eine fast unsichtbare Kraftstoffmenge einzuspritzen. Während Benziner normalerweise ein homogenes Gemisch mit einem Kraftstoff-Luft-Verhältnis von 1:14,7 verbrennen, arbeitet die High Precision Injection mit Luftüberschuss: Auf einen Teil Kraftstoff können je nach Leistungsanforderung bis zu 34 Teile Luft kommen - die gibt es im Gegensatz zu Benzin umsonst.

Die bayerische Umwelt-Offensive

BMW rollt seine neue DI-Generation gerade über die gesamte Modellpalette aus und kombiniert Benziner und Diesel auch noch mit einem cleveren Energiemanagement inklusive Start-Stopp-Automatik. Knapp 20 Prozent Spritersparnis sind so beim BMW 318i möglich - selbst Toyota-Experten sprechen in Genf respektvoll von der Umwelt-Offensive der Bayern.

Doch ausgerechnet die Schwaben geben sich beim Spritsparen knauserig. Die Start-Stopp-Automatik wird heuer im Mercedes A 160 starten, weitere Modelle sollen folgen. Auch bei Benzin-Direkteinspritzern setzt man auf Salami-Taktik. "Aus Qualitätsgründen" komme 2007 erst einmal der 350 CGI in der E-Klasse. Bis die Vierzylinder in der C-Klasse dran sind, kann es noch zwei Jahre dauern. Die erste DI-Generation mit Magerbetrieb im C 200 CGI hatte sich seit 2003 nur einige hundert Mal verkauft, die Produktion musste bald wieder eingestellt werden: ein finanzielles Fiasko.

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