Von Jörg Reichle

Vor dem Hintergrund kollabierender Märkte versammelt sich die Autobranche in Genf. Wir stellen die wichtigsten Premieren des Salons vor.

Alle Jahre wieder, so ist es Tradition, läutet der Genfer Salon den europäischen Autofrühling ein. Doch 2009 ist alles anders: Der weltweite Autoabsatz kollabiert, Konzerne ächzen, Marken bröckeln, Zulieferer sterben. Die Krise, die sich schon lange vor dem Infarkt des globalen Finanzsystems abgezeichnet hatte, ist endgültig angekommen. Klar ist: Die Autoindustrie steht vor ihrem größten Strukturwandel und es ist nicht absehbar, wer am Ende übrigbleiben wird. Und wenn ja, wie.

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Schau-Stücke: Zu den bemerkenswerten Autoneuheiten auf dem Genfer Salon gehören der unbekümmerte Fiat 500C mit Rolldach und das neue E-Klasse-Coupé von Mercedes (darunter). Škoda hat aus der Studie namens Yeti endlich ein Serienmodell gemacht, dürfte aber im Schatten des neuen VW Polo stehen, von dem es bislang nur eine Computer-Darstellung gibt. Opel zeigt den Insignia als Kombi und Kia die Studie eines kleinen Vans. Der Audi A4 Allroad wird von diesem Sommer an verkauft, der Rolls-Royce 200EX erst 2010. (© )

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Ob sich dieser Wandel bereits in den Produkten niederschlägt, ist die spannende Frage vor der Genfer Leistungsschau, die heute beginnt. Um es vorwegzunehmen: Auch, wenn der Veranstalter damit prahlt, dass es 85 Weltpremieren zu bestaunen gibt - wirklich wichtige Neuerscheinungen sind eher dünn gesät. Nicht zuletzt lässt der vermeintlich logische, breite Trend zum "kleiner, leichter, billiger" noch immer auf sich warten. Zwar erlaubt sich kaum ein Hersteller von Rang und Namen, ohne sparsamen Diesel und abgemagerte Benzinmotoren anzutreten und man bietet da und dort schon Zweckdienliches wie Bremsenergie-Rückgewinnung oder Start-Stopp-Systeme an. Aber letztlich sind alle weiterführenden Technologien wie Hybridantrieb (mit wenigen Ausnahmen) oder gar das rein elektrische Fahren noch weit von der Serienreife entfernt. Das zeigt sich auch in Genf.

Neben einigen Kleinherstellern, die bereits mehr oder weniger ausgereifte Einzelstücke präsentieren, will vor allem Opel mit dem neuen Elektroauto Ampera ein Zeichen der Zuversicht setzen. Der Viersitzer mit Heckklappe, der auf dem Chevrolet Volt basiert, soll Kurzstrecken bis 60 Kilometer rein elektrisch bewältigen und sich dann an jeder Steckdose wieder aufladen lassen. Auf längeren Stecken übernimmt das Fortkommen ein Elektromotor mit 150 PS, der wiederum von einem kleinen Verbrennungsaggregat als Generator gespeist wird. Die Serienfertigung des - wie man hört - mindestens 35.000 Euro teuren Ampera soll aber erst 2011 beginnen. Demnächst zu kaufen ist dagegen der Kombi des Vectra-Nachfolgers Insignia. Ein interessantes Familienauto immerhin und relativ erschwinglich.

Wie so oft gilt bei den deutschen Herstellern: Kleine Autos sind die große Ausnahme. Und die größte steuert diesmal Volkswagen bei. Der neue Polo lehnt sich zwar optisch stark an den großen Bruder Golf an und erklimmt auch sonst mit hochwertigen Ausstattungen wie Bi-Xenonlicht, leistungsfähigen Navis oder variabler Dämpferkennung mindestens eine Stufe auf der schier endlosen Wachstumsleiter der Ansprüche. Andererseits soll der Basispreis mit 12.000 Euro nahezu unverändert bleiben und einige neue, spritsparende Motoren dürften den Polo zukunftsfähig machen - nicht zuletzt ein 1,2 Liter großer Dreizylinder-Diesel, der in seiner sparsamsten Version nur 3,5 Liter je 100 Kilometer verbrauchen soll.

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