Interview: Fabian Hoberg

"Noch mehr Emotionalität": Seat-Chefdesigner Luc Donckerwolke über genetische Datenbanken, den Unterschied zwischen normalen und Elektroautos und das Geheimnis guten Designs.

Der Belgier Luc Donckerwolke, 45, ist seit Oktober 2005 Chefdesigner der spanischen Marke Seat, die innerhalb des VW-Konzerns zur Audi-Gruppe gehört. Seine Karriere begann 1990 bei Peugeot, zwei Jahre später wechselte er zu Audi nach Ingolstadt. Nach einem Gastspiel bei Škoda kehrte er 1996 zu Audi zurück und verantwortete bis 2005 das Design von Lamborghini. Aus seiner Feder stammen unter anderem Autos wie der Audi A4 Avant, Škoda Octavia, Lamborghini Murciélago, Gallardo Spider und Concept Miura. Von den neueren Modellen gehören der Seat Ibiza und Ibiaz SC zu seinen Werken. Der Belgier gewann drei Mal den Red-Dot-Award und wurde vom britischen Magazin Autocar zum "Designer of the Year" gekürt.

Luc Donckerwolke

Die "Tornadolinie" muss auch bei einem Seat stimmen: Chefdesigner Luc Donckerwolke misst nach. (© Foto: oh)

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sueddeutsche.de: Worauf haben Sie bei der Seat-Studie Ibe besonderen Wert gelegt?

Luc Donckerwolke: Das Wichtigste war, eine neue DNA für alle zukünftigen Seat-Modelle zu entwickeln. Zehn Jahre nach dem Seat Salsa war es wichtig zu zeigen, wo die Reise von Seat hingeht - der Ibe ist quasi die genetische Datenbank des zukünftigen Seat-Designs.

sueddeutsche.de: Was unterscheidet eine Studie mit Verbrennungsmotor von einer mit Elektro-Antrieb?

Luc Donckerwolke: Wir können bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb die Proportionen der Autos verbessern, sie ganz neu zeichnen. Denn anders als konventionelle Antriebe müssen Elektromotoren nicht unter der Motorhaube eingebaut sein. Wir sind bei Positionierung der Komponenten freier, denn der Motor kann auch in den Radnarben untergebracht werden. Das alles sieht man beim Ibe: Die Studie ist sehr flach, nur 1,22 Meter hoch. Auch die Länge von 3,78 Meter ist sehr kompakt. Damit ist die Studie 25 Zentimeter kürzer als der Seat Ibiza. Mit seiner Breite von 1,80 Meter steht das Auto dennoch kraftvoll auf der Straße. Der Ibe ist zwar ein Stadtauto, sieht aber nicht so aus und wirkt weitaus sportlicher als bisher bekannte City-Mobile. Mit der Studie zeigen wir, dass ein Auto mit Elektroantrieb duchaus attraktiv sein kann.

sueddeutsche.de: Wodurch soll sich das neue Design von anderen Marken unterscheiden?

Luc Donckerwolke: Wir wollen mehr Emotionalität. Seat ist jung, sportlich und designorientiert. Das soll nicht nur bleiben, sondern sogar noch verstärkt werden. Wir wollen die Funktionalität emotionaler verpacken und Autos mit spannenden Linien bauen. Ein Seat soll künftig noch eindeutiger als Seat erkannt werden. Dazu kommt, dass wir dank unserer Konzernzugehörigkeit Spitzentechnik anbieten können.

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