Genf 2011: Rolls-Royce EX102 E-Mily

Hat Rolls-Royce etwa Angst vor schwindenden Ölreserven? Keineswegs: Der elektrisch angetriebene Phantom 102EX ist vorläufig nur ein Experiment. Ob ein Rolls mit Strom fährt, entscheidet nicht die OPEC, sondern immer noch der Kunde.

Steigende Spritpreise? Rolls-Royce-Ingenieur David Monks schaut ungläubig drein: "Viele unserer Kunden haben ihren eigenen Hubschrauber, glauben Sie wirklich, die haben Angst vor Spritpreisen?"

Weder schwindende Ölreserven noch grünes Gedankengut haben die Elektro-Studie beflügelt, die auf dem Genfer Salon alle Blicke auf sich zieht. Dass man auch einen Rolls elektrifizieren kann, braucht niemand zu beweisen, das ist nur eine Frage der Batteriekapazität: Die beträgt beim 102EX satte 71 Kilowattstunden, mehr als dreimal soviel wie beim Nissan Leaf.

Dass die berühmte Kühlerfigur Emily jetzt quasi zur E-Mily wird - bläulich schimmernd als Zeichen des Elektroantriebs - ist eher eine Verhaltensstudie. Die britische Nobelmarke will wissen, wie ihre Kunden auf einen elektrischen Rolls reagieren. Dazu hat sie das Einzelstück 102EX gebaut, auch genannt Phantom Experimental Electric (Phantom EE).

"Wir wollen herausfinden, was wir dem Kunden zumuten können. Die beiden Pole lauten Perfektion und Kompromiss", erklärt Rolls-Ingenieur David Monks. Werden Mylord und Mylady zum Beispiel akzeptieren, dass ihr Wagen nach rund 200 Kilometern vielleicht ein paar Stunden am Ladekabel hängen muss?

Und wird es sie stören, dass statt des gewohnten Zwölfzylinders unter der Haube nun zwei Elektromotoren an der Hinterachse vor sich hin säuseln? Denn wenn es sie stört, ist die Konsequenz eindeutig: "Dann lassen wir das Elektroauto bleiben", sagt David Monks.