Man möchte bei Audi sehen: nicht einen Polo im Cinquecento-Pelz, sondern einen Kleinwagen mit dem Package des jetzigen A1, dem unerbittlichen Stil des kommenden A7, der technologischen Finesse eines R8, dem Gewicht des alten Audi 50. Der dann ruhig zu dem Preis eines neuen A4 angeboten werden dürfte. Und bei Citroën: nicht den deutschesten aller Franzosen, sondern einen Kleinwagen mit dem Package des jetzigen DS3, dem unerbittlichen Stil des alten SM, der technologischen Finesse einer Déesse, dem Gewicht einer Ente. Der dann ruhig zu dem Preis eines neuen C6 angeboten werden dürfte. Nicht nur, dass das europäische Auto so eine bessere Rendite erzielen könnte. Nein, damit würde sich das Automobil nach dem Motto Qualität statt Quantität neu definieren. Denn: Das Auto kann nur eines - neu werden.

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Wie so etwas gehen könnte, zeigt Hondas CR-Z, der auf die große Tradition der klein-sportlichen Civic-Modelle zurückgreift. Sportlich sein hat nach wie vor Sinn, weil der Sportwagenbau von Grund auf hohe Effizienz verspricht. Hondas Interpretation mit stark betontem Fließheck und butterweicher Front gibt sich nirgendwo bullig, sondern bewusst biodynamisch. Sie entwickelt die von Toyotas Prius initiierte und von Hondas Insight übernommene Hybridlinie: eine möglichst aerodynamische Flow-Box, die nach Effizienz und Leistung riecht. Dass der CR-Z nur als Hybridfahrzeug zu haben ist, unterstreicht den Hightech-Charakter sowie die Differenz gegenüber anderen kleinen Sportwagen. Hondas Neuling ist eine Klasse für sich. Innen empfängt die Insassen ein unterhaltsames Ambiente zwischen Flugzeug und Spielzeug. Satelliten, Digitalanzeigen, Knöpfe, wohin das Auge reicht.

Ja, man mag diese schönen alten Formen, die alten Namen. Aber den mythischen Namen Giulietta, mit dem Alfa Romeo seine Sportlimousine bedenkt, für einen romantisch gestalteten, technisch unbedeutenden Golfwagen aus dem Fiat-Konzern wieder zu beleben, ist genau so falsch, wie die Form des neuen Fiat 500 für Rinspeeds UC - eigentlich ein New-Tech-Elektrofahrzeug für die Stadt - zu übernehmen. Dann lieber gleich ein altes Dino-Auto.

Die Königin des Salons ist eine gute, alte Limousine. Gut und alt im Sinne der Schönheit klassischer Proportionen, wie sie seit dem Jaguar MkII unverändert gelten. Der Fünfer übernimmt exakt diese Form und Proportionen. Die BMW-Linie wird leichter, straffer, präziser. Die Nieren kleiner, die Leuchten ruhiger, das Armaturenbrett eleganter. Doch, obwohl im Konzept obsolet, ist der neue Fünfer ein wahrhaftig wunderschöner Wagen.

Der Autor ist Direktor des Goodbrands Institute for Automotive Culture und Professor am Designinstitut der Fachhochschule Köln.

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(SZ vom 15.3.2010/gf)