Geländewagen Toyota Landcruiser: Das Auto für Safariurlauber und IS-Terroristen

Ein unverwüstliches Safari-Gefährt: der Landcruiser in der äthiopischen Savanne

Warum ist dieses Modell auf der ganzen Welt so beliebt? Über eine Recherche bei Fans in Tansania und Deutschland - und einen Hersteller, der sich ziert.

Von David Pfeifer und Tobias Zick

Manchmal braucht es Monate, bis aus einer Themenidee eine Geschichten wird. Im Fall des Toyota Landcruiser fiel immer wieder auf, dass das Fahrzeug zuhauf in Krisengebieten dieser Welt herumfährt. In einer Bauweise, die man aus den 1980er- und 90er-Jahren auch in Deutschland kannte. Nur umgerüstet auf den jeweiligen Zweck. Mal mit einem Geschütz auf dem Heck, mal mit einer erhöhten Kabine, auf der ein rotes Kreuz prangt - als Ärztefahrzeug also.

Auch in der SZ waren immer wieder mal kleine Artikel über dieses und ähnliche Fahrzeuge zu lesen, zuletzt auch als Antwort auf die "Frage der Woche", die ein Leser gestellt hatte. So erreichte das Thema die Redaktionskonferenz, dort murmelte zufällig der eine Kollege zum anderen: "Das liegt am Leiterrahmen. Die Autos sind quasi nicht kaputt zu kriegen."

Der andere Kollege, der sich nicht die Bohne für Autos interessiert: "Tatsächlich? Und wieso haben dann nicht alle Autos Leiterrahmen?" Antwort: "Schwer und teuer. Außerdem: Welcher Autohersteller will schon, dass seine Karren ewig halten?" Autouninteressierter Kollege: "Aber ist das nicht mal eine Geschichte, dass ein uraltes Auto einfach immer noch weiter fährt, durch alle Kriege und Krisen, während unsere modernen Fahrzeuge schnell schlapp machen?" "Ja, das könnte man schon mal versuchen."

Toyota ziert sich

Zunächst fragte unser Japan-Korrespondent Christoph Neidhart bei Toyota an, ob man noch einen Ingenieur sprechen kann, der diesen Landcruiser der alten Baureihe in den frühen 1980er-Jahren mitentwickelt hat. Zuerst kam eine verhalten positive Antwort, dann aber lange keine Zwischenmeldung. Am Ende nach mehrfacher Nachfrage eine Absage. Der Konzern hat kein Interesse daran, über ein Fahrzeug zu sprechen, das in Deutschland nicht mehr verkauft wird.

Außerdem gab es schon genügend Ärger wegen einer Anfrage von US-Behörden im vergangenen Jahr, die wissen wollten, wie es denn sein könne, dass der alte Landcruiser fabrikneu in den Promotionvideos des sogenannten Islamischen Staates herumfährt. Auch unser Interesse an zivilen Einsätzen des Autos ließ die Pressestelle nicht weich werden.

In einem Propaganda-Video des sogenannten Islamischen Staates ist die bevorzugte Automarke unschwer zu erkennen.

(Foto: AFP)

Also ein neuer Versuch, in Afrika, wo das Fahrzeug die größte Verbreitung hat. Korrespondent Tobias Zick, in Südafrika stationiert (wo der Landcruiser weiter gebaut wird), verspricht, dass er auf einer seiner nächsten Recherche-Reisen eine große Werkstatt besuchen wird, die auf das sogenannte Busch-Taxi spezialisiert ist.

Die Rettung liegt in Afrika

Fündig wird Zick einige Wochen später, als er eine Reportage über Wildhüter in Tansania schreibt. Er bleibt etwas länger im Selous, dem größten Wildreservat Afrikas, lässt sich im Landcruiser druchschütteln und von den Fachkräften vor Ort erklären, warum sie diesem Auto vertrauen - und anderen nicht.

Schließlich folgt noch eine Recherche in Deutschland, denn hier ist das Fahrzeug ulkigerweise ungebrochen beliebt, obwohl die ursprüngliche Baureihe schon seit Jahren nicht mehr erhältlich ist.

Der zuvor ahnungslose Kollege ist am Ende zufrieden. "Ist ja selten genug, dass ich mich für ein Auto interessiere. Und dann ausgerechnet für eines, das man hier nicht bekommt."

Das Auto

Der Landcruiser ist in fast allen Krisengebieten dieser Welt zu sehen. Helfer fahren ihn, Blauhelme, Milizionäre und Terroristen. Über ein Fahrzeug, auf das auch die Falschen schwören. Von David Pfeifer und Tobias Zick mehr ...