Von Von Michael Harnischfeger

Die kleine Manufaktur in Westfalen stellt ihrem Kult-Roadster nun ein Coupé zur Seite.

Die Sonne lacht über dem westfälischen Dülmen, Vögel zwitschern. In der klinisch reinen Montagehalle schrauben Männer in weißen Hemden an einem Roadster, im Obergeschoss vernähen Frauen weiches Leder, nebenan wächst ein Kabelbaum. Der Geruch von Lötzinn liegt in der Luft und angesichts des Strippengewirrs fragt sich der Besucher, wer das alles auseinander halten soll.

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Schwung holend in der langen Motorhaube, quert eine Linie die kleine Kanzel, formt über den Radhäusern einen lasziven Hüftschwung und strömt weiter Richtung Heck, der wohl emotionalsten Partie des Autos. (© Foto: Wiesmann)

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Dagegen ist der Raum, in dem die Karosserieteile aus Glasfaser verstärktem Kunststoff Gestalt annehmen, schon übersichtlicher. Aha, das wird ein Dach. Das Dach des neuen Coupés namens Wiesmann GT, des zweiten Modells der 60-Köpfe-Manufaktur, deren Roadster mittlerweile Kultstatus erlangt hat.

¸¸Der Roadster läuft gut", sagt Friedhelm Wiesmann, fürs Kaufmännische zuständig. ¸¸Gerade ist Nummer 448 in Produktion, das hätte uns nach den vier Exemplaren im ersten Jahr 1993 niemand zugetraut. Doch beim Blick auf Großserienfahrzeuge, die als Coupé und als Cabrio angeboten werden, sieht man, dass das Coupé den größeren Verkaufsanteil hat." So wurde vor rund viereinhalb Jahren die Idee zum GT geboren.

Gift für Controller

Jetzt läuft die Produktion allmählich an, und wie beim Roadster ist der Anteil an Handarbeit so hoch, dass es jeden Controller bei, sagen wir mal VW, in den Wahnsinn triebe. Während die Roadster vom bis zu 343 PS starken Sechszylinder des BMW Dreier angetrieben werden, legte Martin Wiesmann, der Techniker, den GT gleich für den bayerischen Achtzylinder aus.

Das Coupé ist daher etwas größer, mit 4,23 Meter etwa so lang wie ein Golf. Für die Dramatik des Auftritts sorgt nicht nur die Höhe von 119 Zentimetern bei 1,85 Metern Breite, sondern vor allem das Design. Hier duckt sich kein kühler Keil auf die Straße, sondern ein Körper, dem man ansieht, dass er Seele und Muskeln hat.

Klarer Phall

Schwung holend in der langen Motorhaube, quert eine Linie die kleine Kanzel, formt über den Radhäusern einen lasziven Hüftschwung und strömt weiter Richtung Heck, der wohl emotionalsten Partie des Autos. Ein klarer Phall von Auto-Erotik, der nach dem Stadium der ersten Skizzen aus einem Berg Modelliermasse entstand.

¸¸Am PC Karosserien konstruieren kann ich nicht", gibt Martin Wiesmann zu. Also formte er, modifizierte, verwarf, machte neu, bis das Kleid das steife Aluminium-Monocoque samt Radführungen und allem, was ein Auto so braucht, gerade noch bedeckte, ohne zu bersten.

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