Fußgänger Darum ist die Ampel nie lange genug grün

In der Grünphase zwei Drittel der Straße schaffen - mehr ist für Fußgänger nicht vorgesehen.

(Foto: Robert Haas)

Fußgänger kennen das: Bei Grün schafft man es nur selten ganz über die Ampel. Die wenigsten wissen: Das ist Absicht. Wie Ampelschaltungen funktionieren.

Von Felix Reek

Junge Eltern schieben den Kinderwagen gemütlich die Straße hoch und wieder runter, einmal um den Block oder gleich zum nächsten Park. Dabei beobachten sie etwas ähnliches: Egal, wann sie eine Fußgängerampel überqueren, sie springt immer währenddessen auf Rot. Selbst wenn sie zu Beginn der Grünphase starten. Seltsamerweise geht das auch Passanten so, die schneller unterwegs sind als die Eltern mit dem Kinderwagen. Das hat einen einfachen Grund: Es ist gar nicht vorgesehen, dass Fußgänger bei Grün von einer Seite auf die andere kommen.

Die Verkehrstechnik unterteilt die Ampelschaltung in zwei Phasen: "Grünzeit" und "Schutzzeit". In der ersten Phase können Fußgänger die Straße betreten. Die "Grünzeit" ist so berechnet, dass mindestens die Hälfte der Fahrbahn überquert werden kann, auch wenn sie erst spät in der Phase betreten wird. Dann beginnt die Schutzzeit. In der sind sowohl Fußgänger- als auch Auto-Ampel rot. Sie ist in der Regel länger als die eigentliche Grünphase und soll es Fußgängern erlauben, noch die Straße zu überqueren.

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Das Problem ist nur: Die meisten Verkehrsteilnehmer wissen davon nichts. Und wer langsamer als das statistische Mittelmaß ist, etwa Senioren oder Eltern mit Kinderwagen, gelangt nicht schnell genug auf die andere Seite. Sie sehen sich schnell hupenden Autofahrern ausgesetzt. Immer wieder passieren so Unfälle. Wie viele, ist unklar. Die Statistiken weisen solche Vorfälle nicht gesondert aus.

Verschiedene Ampelprogramme für verschiedene Uhrzeiten

Berechnet wird der Ampelzyklus von der Forschungsstelle Straßen- und Verkehrswesen in Köln. Sie hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium die sogenannte "Richtlinie für Lichtsignalanlagen" (RiLSA) entworfen. Nach ihren Vorgaben richten sich die Ampelphasen in Deutschland.

"Zunächst werden die Stärken aller Verkehrsströme im Kreuzungs- bzw. Einmündungsbereich ermittelt", erklärt Alfred Overberg vom Landesbetrieb Straßenbau NRW. Dazu gehören neben Autos und Fußgängern auch Radfahrer oder öffentlicher Nahverkehr.

Aus diesen und weiteren Faktoren ergeben sich unterschiedlich lange Grünphasen für die einzelnen Verkehrsteilnehmer, die wiederum über den Tag verteilt in verschiedenen Programmen ablaufen. So sind zum Beispiel morgens und abends Ampeln für Autofahrer länger grün, um einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss zu ermöglichen. Dabei werde berücksichtigt, "dass die Wartezeiten aller auf ein Minimum beschränkt sind", sagt Overberg.