Die größere Großraumlimousine aus den USA für den Liebhaber

(SZ vom 17.05.1995) Eine Großraumlimousine hat inzwischen nahezu jeder Hersteller in seinem Modellprogramm, doch manchen ist das nicht genug: So buhlt Mitsubishi mit seiner Space-Familie um die Gunst der Käufer, und auch Ford hat von Herbst an zwei Minivans im Programm: Den gemeinsam mit VW entwicklelten und produzierten Galaxy und den flugs aus den USA herübergeholten Windstar. Künftig werde man sich öfters bei der Mutter in den Staaten bedienen, um schnell Lücken im Modellprogramm füllen zu können, kündigte Ford-Sprecher Rainer Nistl an. Der Windstar ist solch ein Nischenprodukt, denn man will nur 2000 Stück pro Jahr in Deutschland absetzen - ein Klacks im Vergleich zu den Verkaufsschlagern Escort oder Fiesta.

Anzeige

In der Tat ist der Windstar ein Auto für Individualisten, die US-Cars bevorzugen: Mit einer Außenlänge von 5,12 Metern, einem 3,0-Liter-V6-Motor, einer Lenkradschaltung in Verbindung mit einem Automatikgetriebe fällt er anders - und vor allem eine Nummer größer - aus als die normalen Minivans. Das gilt besonders für das Fahrwerk: Es ist relativ weich ausgelegt, und die ganze Karosse ist ziemlich kopflastig: Beim Bremsen geht das Vehikel tief in die Knie. Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h wollten wir gar nicht ausprobieren, da der Windstar eher ein Minivan zum gemächlichen Reisen ist (trotz oder gerade wegen seiner 109 kW/148 PS). Er ist - mit einer kompletten Ausstattung inklusive Klimaanlage - für etwa 52 500 Mark bei den Händlern zu haben.

Renoviert startet der Explorer, der Geländewagen mit dem 4,0-Liter-V6-Motor aus Kölner Produktion, in das Frühjahr. Ob der Off-roader mit dem auffällig lackierten Kühlergrill gefällt, ist eine Geschmacksfrage. Auf jeden Fall ist er im Vergleich zum Windstar das ausgewogenere Auto. Sitz- und Fahrkomfort waren bei einer ersten kurzen Begegnung in Ordnung, die Lenkung nicht so schwammig. Serienmäßig sind unter anderem zwei Airbags und ABS.

Die gegenüber dem Vorgängermodell etwas runderen Formen wirken zeitgemäß; pfiffig ist die auf zweierlei Weise zu öffnende Hecktür: Wer schnell einmal einen Mantel ins Gepäckabteil legen will, kann die Glasscheibe nach oben schwenken, ohne die ganze Tür öffnen zu müssen. Der Preis für den Explorer steht noch nicht offiziell fest, wird sich aber etwas unterhalb von 60 000 Mark bewegen.

Kurz haben wir uns auch mit dem Escort beschäftigt, mit dessen Verkaufszahlen man in Köln sehr zufrieden ist. Für 24 780 Mark gibt es den 1.4 Flair mit 55 kW (75 PS). Erster Eindruck: absolut up to date, was Sicherheit, Ausstattung und Preis betrifft. Ebenso rundlich und oval wie die Formen, die sich bis ins Detail fortsetzen, scheint uns dieses Auto rundum gelungen - bis auf Kleinigkeiten, wie die viel zu klein dimensionierten Außenspiegel. Im dritten Anlauf haben es die Kölner endlich geschafft, nachdem der Escort zuvor zweimal in kurzen Abständen überarbeitet worden war. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal ja schon beim zweiten Versuch.

Von Otto Fritscher

Leser empfehlen