Ford Mustang 2.3 Ecoboost im Test Ford Mustang und vier Zylinder - das passt

Mit Vierzylindermotor kostet der Ford Mustang mindestens 38 000 Euro.

(Foto: Thomas Harloff)

In dieses Auto gehört unbedingt ein Achtzylinder? Nein, auch mit kleinem Turbomotor ist der Mustang ein anständiges Power-Coupé - mit einem Manko.

Test von Thomas Harloff

"In den Mustang gehört ein anständiger V8 und sonst nichts", haben die selbsternannten Bewahrer der US-Autokultur gesagt. Hubraum sei sowieso durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Als sei es ein blasphemischer Akt, etwas anderes als einen großvolumigen Achtzylinder in den Ford Mustang einzubauen.

Klar, dieses Auto ist so durch und durch amerikanisch wie sonst nur die Pritschenwagen namens Pick-up-Truck oder die Heckflossen-Straßenkreuzer aus den späten Fünfzigern. Doch selbst ein Ford Mustang muss sich nach mehr als einem halben Jahrhundert Produktionszeit der neuen Weltordnung des Automobilbaus fügen. Und die wird von Abgasgrenzwerten, endlichen Rohstoffreserven und politisch korrektem Handeln bestimmt. Insofern sollten die Kritiker froh sein, dass Ford den Mustang überhaupt noch mit V8 produziert. Aber neuerdings eben auch mit dem hier getesteten 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo.

Der Ford Mustang Ecoboost in Bildern

mehr...

Der Sound ist eine ziemlich billige V8-Imitation

Ist dieses Auto mit 317 statt 421 PS tatsächlich untermotorisiert? Beim Druck auf die Taste, die den Motor startet, kommt kurz das Gefühl auf. Dem Vierzylinder fehlt die akustische Allgewalt, mit der sich der Achtzylinder beim Anlassen aus dem Schlaf grummelt. Zwar hat sich Ford bemüht, das Problem mit einer synthetischen Verstärkung zu lösen. Doch Kenner entlarven den Klang als billige V8-Imitation. Immerhin bietet dieser hier etwas mehr Bass als die meisten Motoren mit vier Brennkammern.

Doch der Klang ist das deutlichste, was den einen vom anderen Mustang unterscheidet. Von ein paar GT-Schriftzügen und etwas dezenter gestalteten Abgas-Endrohren abgesehen, sehen die beiden gleich aus. Das gilt auch innen: Das Armaturenbrett hat die gleichen charakteristischen Höcker über den Instrumenten und dem Handschuhfach, das Dreispeichen-Lenkrad ist genauso tief geschüsselt, Tacho und Drehzahlmesser sitzen in ebenso tiefen Höhlen, und der zentrale Infotainment-Touchscreen lässt sich exakt so sicher bedienen.

Elektro-Mustang mit 280 km/h

Mitch Medford träumt von klassischen Automobilen ohne Abgase. Also erschafft er den "Zombie 222", einen 68er Ford Mustang mit Super-Elektromotor. Der beschleunigt so brachial, dass sogar seinem Schöpfer angst und bange wird. Von Felix Reek mehr ...

Viel wohnlicher als zuvor

Materialien und Verarbeitung, das passt, wenn auch das Leder, in das Armaturenbrett und Sitze gehüllt sind, nur im 2500 Euro teuren Premium-Paket enthalten sind. Überhaupt, die Sitze: Sie kosten 1800 Euro Aufpreis, stammen vom Spezialisten Recaro und sind sensationell gut. Nicht zu hart und schon gar nicht zu weich gepolstert, dafür mit viel Seitenhalt gesegnet und so vielfältig einstellbar, dass Fahrer jeder Statur die richtige Position finden. Hinten fährt man nur im Notfall mit, aber für ein paar Kilometer geht selbst das. Und mit dem 408-Liter-Kofferraum lässt sich auch der automobile Alltag bewältigen.

Aber nur um drin zu sitzen und den Innenraum zu bewundern, ist ein Ford Mustang nicht auf der Welt. Dieses Auto will gefahren werden. Dass es seinen Chauffeur dabei nicht überfordern möchte, vermittelt es von Beginn an. Zwar fehlen jene elektronischen Assistenzsysteme, wie sie die Konkurrenz in immer größerer Fülle bietet. Aber das Fahrwerk filtert viele Unebenheiten weg, Lenkung und Pedale lassen sich vergleichsweise leicht bedienen. Mit dem Mustang kommt man entspannt durch das quälende Stop-and-Go im Berufsverkehr. Es ist allein das manuelle Sechsgang-Getriebe mit kurzen Wegen und exakter Führung, das mit spürbaren Widerständen beim Gangwechsel die harte Hand des Fahrers spüren möchte.