Von Stefan Grundhoff

Der Sommer ist zu Ende - und für wahre Roadsterfans beginnt die Lieblingssaison. Doch spektakulärer als mit einem F430 Spider kann eine Ausfahrt im Herbst kaum sein.

Ferrari hat auf dem Pariser Automobilsalon sein neues Cabriolet vorgestellt - den California. Schön, stark und ausgestattet mit zukunftsweisender Technik. Da lässt es der F430 doch deutlich puristischer angehen. Denn im Gegensatz zum neuen California, der nicht zuletzt so heißt, weil er insbesondere in den USA auf Kundenfang gehen soll, ist der F430 ein echter Rennwagen - wenngleich die offene Spider-Version wohl kaum für den harten Rennstreckeneinsatz taugt. Viel wohler fühlt sich der 490 PS starke Hecktriebler auf kurvigem Terrain im öffentlichen Straßenverkehr.

Ferrari F430 Spider; Pressinform

Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der F430 Spider in kaum mehr als vier Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h. (© Foto: Pressinform)

Anzeige

Laut, schnell und teuer

Dass es auch hier alles andere als langweilig zugeht, davon kann man sich bereits nach ein paar Kilometern in den Weinbergen des Rheingaus überzeugen. Dabei versucht der offene Spaßmacher gar nicht erst, nur dem ambitionierten Cruiser zu mimen. Der F430 Spider stellt sofort nach dem Einsteigen unmissverständlich klar: Ich will rangenommen werden. Ein Konkurrent aus Stuttgart warb vor Jahren mit dem Slogan "die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Kurve". Da will man am Lenkrad des 430ers nicht widersprechen - höchstens anmerken, dass man Kurven sehr wohl auf die eine oder andere Art durchpflügen kann.

Der Motorsound des 4,3 Liter großen V8 ist zunächst nur im Stand bissig röchelnd. Untertourig hält sich die Sportauspuffanlage dezent zurück, um über 4500 Touren dann endlich zu explodieren. Wenn der Achtzylinder heranrauscht, zucken die ersten Weinbauern verstört zusammen. Und ihre Erntehelfer werden Augen und Mund wohl so schnell nicht mehr zu bekommen. Das Aufmerksamkeitspotenzial eines Ferrari F430 Spider ist immens. Kein Vergleich etwa zum eleganten 612 oder gar dem zurückhaltend stilisierten 599er aus gleichem Hause. So wie diesen offenen Zweisitzer stellt man sich einen Ferrari vor. Dass das aggressive Design aus der Meisterhand von Pininfarina stammt und Anlehnungen in Ferraris Formel-1-Historie der frühen 60er Jahre nimmt, wird die meisten kaum interessieren. Sie sehen nur einen roten F430 F1 Spider. Der ist laut, schnell und teuer.

Dabei überrascht weniger der Basispreis, der mit 186.500 Euro im erwarteten Rahmen liegt. Dass einem die Aufpreisliste für Extras, Renn- und Designkomponenten mal kurz weitere 35.000 Euro aus den Kassen spült, sollte dagegen selbst engagierten Ferrari-Verkäufern die Schamesröte ins Gesicht treiben. 4225 Euro für die Sportsitze sind nur halb so wahnwitzig wie der 8450 Euro teure Karbon-Kit für den Motorraum. Denn das Aggregat, das unter dem Sichtfenster die hintere Hälfte des italienischen Boliden einnimmt, kann sich auch ohne Karbon-Applikationen sehen und insbesondere hören lassen. Fehlte nur noch, dass Ferrari dezente Spots im Motorraum anbringt, um für Aufsehen auf dem Parkplatz zu sorgen. Ähnlich überflüssig erscheinen der 2405 Euro teure Heckgrill aus Karbon oder der mit insgesamt 8090 Euro zu Buche schlagende Karbonkit für den Innenraum.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Ein Suchtproblem
  2. Ein Suchtproblem
Leser empfehlen