Fehler beim Autofahren:Acht Sünden, die fast jeder Autofahrer begeht

Wir sind es so gewohnt, zu bequem oder wissen es nicht besser. Doch diese Angewohnheiten beim Autofahren kosten unnötig Geld oder schaden sogar dem Wagen.

Von Felix Reek und Thomas Harloff

Hand auf der Gangschaltung ablegen

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(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Viele legen beim Autofahren die rechte Hand auf den Schaltknüppel - und nur die wenigsten wissen wahrscheinlich, warum sie das tun. Abgesehen davon, dass die Hände nur kurzfristig vom Steuer genommen werden sollten, ist dieses Verhalten schädlich für das Getriebe. "Die Schaltgabel drückt dann ständig auf die Schaltmuffe, was vor allem bei einem Getriebe mit klassischem Schaltgestänge zu einem verstärkten Verschleiß führt", sagt Philipp Schreiber, Sachverständiger beim TÜV Süd. Das kann bewirken, dass die Gänge nachher ständig herausspringen. Bei einem Getriebe mit Seilzug wirkt sich die Hand auf dem Schaltknüppel weniger stark aus. Dennoch sollte sie auch in diesem Fall nicht ständig dort liegen. Denn beim Autofahren gehören beide Hände ans Steuer.

Bergab ständig leicht die Bremse treten

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(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Die Straße ist abschüssig, also bremsen Sie. Nur leicht zwar, aber kontinuierlich über eine Strecke von 100, 200, 300, 400 Metern - oder noch länger. Ein ganz alltäglicher Vorgang auf deutschen Straßen. Das Problem dabei: Die Bremsen werden übermäßig beansprucht. Bremsscheiben und -beläge heizen sich auf und verschleißen schneller. "Besser ist es, hin und wieder etwas fester zu bremsen und das Auto dazwischen mit eingelegtem Gang rollen zu lassen", sagt Philipp Schreiber. In den wenigen Sekunden, in denen das Auto frei fährt, könne die Bremse wieder abkühlen. Außerdem ist es hilfreich, einen Gang herunterzuschalten und die Motorbremse zu nutzen. Die verringert die Geschwindigkeit ebenfalls effektiv.

Beim Ampelhalt die ganze Zeit das Kupplungspedal treten

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(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Viele Autofahrer lassen beim Ampelstopp den ersten Gang eingelegt. Um möglichst schnell losfahren zu können, wenn sie auf Grün springt. Oder um die Start/Stopp-Automatik des Autos zu überlisten, die zahlreiche Fahrer als lästig empfinden. Damit der Gang eingelegt bleiben kann, muss der Fuß immer das Kupplungspedal durchtreten. Auf die Kupplung selbst wirkt sich das nicht negativ aus. Allerdings verschleißt das Ausrücklager über Gebühr. Dieses Bauteil wird immer dann beansprucht, wenn das linke Pedal getreten wird. In diesem Moment lastet die komplette Kraft der Kupplungsfeder auf ihr. Für ein dauerhaftes Aushalten dieser Energie ist sie nicht konstruiert. Wenn Sie beschädigt ist, muss oft die ganze Kupplung ausgetauscht werden.

Rückwärtsfahren, ohne komplett zum Stillstand gekommen zu sein

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(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Wer rückwärts fahren möchte, schaltet oft bereits dann in den Rückwärtsgang, wenn das Auto noch nach vorne rollt. Das schadet sowohl manuellen als auch automatischen Getrieben. Beispiel Handschalter: Zwar trennt die Kupplung den Motor vom Getriebe, nicht aber das Getriebe vom Differenzial, von den Antriebswellen oder der bei Hecktrieblern und Allradlern vorhandenen Kardanwelle. "Legt der Fahrer den Rückwärtsgang ein, wird die Drehrichtung des Getriebes schlagartig umgedreht, was bei einem in die andere Richtung rollenden Auto den Verschleiß der Wellen und des Differenzials begünstigt", weiß Schreiber. Und obendrein oft zu schauderhaften Geräuschen führt.

Motor im Stand warmlaufen lassen

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Wenn die Nacht so kalt war, dass die Scheiben gefrieren, erliegt man morgens leicht der Versuchung, den Motor im Stand laufen zu lassen und die Heizung anzuschalten. Dann ist der Innenraum nach dem Eiskratzen wenigstens vorgewärmt. Doch das ist nicht nur laut StVO verboten, sondern schadet auch dem Auto. "Ein Kaltstart bedeutet für den Motor eine Extrembelastung", sagt Vincenzo Lucà vom TÜV Süd. Und die hält im Stand umso länger an, da das Triebwerk bei Leerlaufdrehzahl deutlich langsamer warm wird als während der Fahrt. Das begünstigt schnelleren Verschleiß - aus mehreren Gründen: Das noch dickflüssige Öl gelangt nicht an alle Schmierstellen. Dann reiben beispielsweise Gleitlager ungeschmiert aufeinander, was die Bauteile leiden lässt. Bei einem kalten Ottomotor kondensiert zudem immer etwas Treibstoff im Ansaugtrakt oder an den Zylinderwänden. Damit der Motor überhaupt starten kann, muss ihm deshalb mehr Kraftstoff zugeführt werden. Dieser verbrennt aber nicht vollständig, was das Öl verdünnt. Auch der Auspuff kann schneller rosten, weil sich Kondenswasser im kalten Abgastrakt sammelt.

Am Lenkrad drehen, während das Auto steht

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Manchmal geht es nicht anders, als im Stillstand am Lenkrad zu kurbeln - beispielsweise in engen Parklücken. Falls möglich, sollte das Auto aber immer zumindest leicht rollen, wenn die Räder eingeschlagen werden. Denn im Stand sind die Lenkkräfte höher, auf die technischen Komponenten wirkt eine größere Energie - erhöhter Verschleiß ist die Folge. "Noch schlimmer ist es, wenn gleichzeitig die Bremse getreten wird", sagt TÜV-Experte Schreiber.

Nutzlosen Ballast herumfahren

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(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Wer einen großen Kofferraum hat, vergisst schnell, was er darin untergebracht hat. Die Pfandflaschen für den Supermarkt? Die Schmutzwäsche für die Reinigung? Das wird oft wochenlang durch die Gegend chauffiert. Das ist nicht nur unordentlich, es kostet auch Geld. Denn jedes Mehrgewicht erhöht den Spritverbrauch. Wie stark, hängt vom jeweiligen Auto und vom vorrangigen Einsatzgebiet ab. "In der Stadt ist der Effekt größer, weil sich das Mehrgewicht beim ständigen Beschleunigen besonders negativ auswirkt", sagt Philipp Schreiber. Als Faustregel gelte aber: 100 Kilogramm zusätzlich erhöhen den Spritverbrauch um 0,3 bis 0,5 Liter pro 100 Kilometer.

Ständiges Spurenwechseln im Stau

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(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Schon wieder Stau. Wer im Auto unterwegs ist, hat oft das Gefühl, mehr zu stehen als zu fahren. Also wird jede Lücke genutzt, um ein paar Meter gutzumachen. Das permanente Spurenwechseln bringt allerdings nichts. Vielmehr werden wir unbewusst Opfer unserer Langeweile. Im Stau bleibt viel Zeit, die Umgebung zu beobachten - und wenn es auf der benachbarten Spur etwas schneller vorwärtsgeht, steigt das Verlangen, dorthin zu wechseln. Kurz danach scheint man wieder die langsamere Spur erwischt zu haben, man drängelt sich auf den Fahrstreifen zurück, auf dem man kurz zuvor bereits war. Und so weiter. Dass das den Stau nur verlängert, bekommen die Kolonnenspringer nicht mit - es passiert ja hinter ihnen.

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