Fallen beim Autokauf So trickst die Autobranche

Für die Autobranche ist es ein Desaster: Die Verkaufszahlen sinken auch in Deutschland. Mit zahlreichen Abzocktricks halten die Hersteller dagegen. NDR-Reporter haben die größten Fallen beim Autokauf dokumentiert.

Von Holger Ohmstedt

Den Nachlass, der den Kunden zum Kauf verleitet, holen die Hersteller sich an anderer Stelle von ihm wieder. Auch die Angaben zum Spritverbrauch in der Werbung müssen nicht stimmen. In Kooperation mit dem Norddeutschen Rundfunk zeigen wir, wie die Autobranche trickst.

Die Krise hat jetzt auch den deutschen Automarkt voll erwischt: Im vergangenen Monat wurden hierzulande so wenige Neuwagen zugelassen wie seit 27 Jahren nicht mehr. Es waren im März nur noch etwas mehr als 280.000 Autos. Dieses Absatzdesaster versucht die Branche mit vielen Tricks auszugleichen. Fernsehreporter der NDR-Wirtschaftsredaktion haben einen Monat lang den Test gemacht und jetzt die größten Fallen beim Autokauf dokumentiert.

Testkäufer in norddeutschen Autohäusern belegen, wie heftig die Rabatt-Schlacht tobt. Schon nach kurzen Verkaufsgesprächen wurden Nachlässe auf den Neuwagenpreis von 30 Prozent angeboten. Was einzelne Händler verschwiegen: bei einigen Modellen handelte es sich um bereits zugelassene, aber nur wenig gefahrene Autos. ADAC Sprecher Christian Schäfer kritisiert dies und weist darauf hin, dass die zugesagte Garantiezeit bereits ab dem Tag der Erstzulassung läuft. Die höchsten Rabatte winken kurz vor Quartalsende, wenn die Händler Verkaufszahlen beim Hersteller abzuliefern haben.

Ausstattung nur in teuren Paketen

In vielen Fällen versuchten die Autohändler, über teure Zusatzausstattungspakete einen Teil des gewährten Nachlasses wieder hereinzuholen. Ein einklappbarer Zündschlüssel wurde beim Opel nur gemeinsam mit dem 360 Euro teuren "Elektropaket" verkauft, die Heizung für den hinteren Fußraum nur mit dem 1435 Euro teuren "Cool-Sound Paket 2". Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Autoforschungszentrum der Universität Duisburg-Essen erklärt, unter welchem Druck die Autoverkäufer mittlerweile stehen: "Ohne verkaufte Sonderausstattung machen die Händler kaum noch Gewinn."

Warum dabei vor allem ganze Ausstattungspakete angeboten werden, rechtfertigt Mercedes auf NDR Anfrage damit, dass die Pakete die "Komplexität der Produktion" reduzieren würden. Volkswagen schreibt, dass sich .... bauartbedingt keine anderen Möglichkeiten böten, als Optionen miteinander zu verknüpfen."

Verbrauch deutlich über Herstellerangaben

Umfragen des NDR unter Autokäufern zeigen, dass bei den derzeit hohen Benzinpreisen der Durchschnittsverbrauch des Neuwagens ein immer wichtigeres Kaufargument wird. Doch selten stimmen die offiziellen Angaben mit den tatsächlichen Verbrauchswerten überein. Im NDR-Test verbrauchte der fabrikneue Opel Meriva tatsächlich 17 Prozent mehr als im Prospekt angegeben.

Rainer Hillgärtner vom Autoclub Europa, der den Test überwachte, kennt noch weit drastischere Abweichungen. Ein Mitsubishi Colt übertraf die Angaben um 64 Prozent. Der ACE fordert deshalb, dass die Verbrauchstests der Hersteller auf den Prüfstand müssen. Rückenwind bekommen die Autoexperten vom Oberlandesgericht Hamm, das kürzlich entschied, dass bei einem Mehrverbrauch von über 10 Prozent bereits ein Sachmangel am Neuwagen vorliegt und der Käufer ihn zurückgeben kann.