Trend Leihräder So funktioniert Bikesharing in Kanada

Bixi muss mit: In Montreal herrschen im Gegensatz zu Toronto für Radfahrer eher paradiesische Zustände. Dort ist man stolz auf autofreie Straßen.

(Foto: Schönherr)

Im Verkehr von Toronto sind Fahrräder nach wie vor Fremdkörper. Trotzdem boomt das Geschäft mit Leihrädern. Die kanadische Metropole hat allerdings noch viel Nachholbdarf. Ein Erlebnisbericht.

Von Maximilian Schönherr

Als der Londoner Bürgermeister Boris Johnson vor drei Jahren die "Boris Bikes" (offiziell: Barkleys Cycle Hire) einführte, schielte ich bei jedem Besuch der Stadt neidisch auf die leider nur registrierten Einheimischen vorbehaltenen Mieträder in Blau. Inzwischen ist das Londoner System auch für Touristen geöffnet und im Preis gefallen, auf umgerechnet etwa 2,30 Euro pro Tag. Ich nutze es gern, nicht zuletzt wegen der bemerkenswerten Rücksichtnahme der Autofahrer. Kampfradeln ist in London kein Thema.

Dasselbe Konzept traf ich nun auf einer Reise nach Kanada auch in Montreal und Toronto an. Dort heißen die Räder Bixi Bikes. Die Innenstadt von Montreal ist gespickt mit über 400 Stationen, wo die Räder stehen, oft mehr als zehn an der Zahl. Weil die Stadt zum Hafen hin stetig abfällt und sich das Nachtleben zum Teil Downtown abspielt, nutzen die meisten den Service, um nach unten zu radeln und schnell noch einen freien Abstellplatz in der dortigen Docking-Station zu ergattern. Spätnachts steigen sie dann, um nach dem Clubbing nach Hause zu kommen, in ein Taxi. In den frühen Morgenstunden transportieren Trucks des Bixi-Betreibers auf ihren Anhängern Hunderte Räder wieder nach oben und verteilen sie gleichmäßig auf die dortigen Anmietstationen.

Eine Nottaste meldet Defekte

Auch in Toronto sind die Transporter unterwegs. Die Betreiber des Leihdiensts haben über GPS und Internet einen Überblick über die Belegungslage und greifen entsprechend moderierend ein. Das System läuft dann ideal, wenn eine hohe Fluktuation stattfindet (viele fahrende Kunden gleich hohe Einnahmen) und die Auslastung der Stationen gleichmäßig ist. Wird ein Rad auffällig selten bewegt, sehen die Angestellten an Ort und Stelle nach, ob ein Defekt vorliegt. Darüber hinaus fahren Mechaniker die einzelnen Stationen regelmäßig ab, kontrollieren Bremsen und schmieren Ketten. Außerdem kann der Kunde am Rad eine Taste drücken, um quasi blind einen Defekt zu melden.

Via Internet auf einem Tablet-Computer oder einem Smartphone hat man den Überblick über die Belegung der Stationen. Wenn ich mit dem Bixi Bike unterwegs war und ich mir die Gegend genauer ansehen wollte, musste ich eine Docking Station in der Nähe finden - und zwar möglichst rasch, weil der Tarif nach 30 Minuten von null in eine andere Preisklasse springt. Nach einigen Tagen bekam ich ein Gefühl für die Lage der Stationen und fuhr entspannt mit dem Rad nach Korea Town zum Essen oder dockte das in der Stadtmitte angemietete Rad 20 Minuten später an der südwestlichsten Station an, um fünf Minuten zu Fuß weiter westlich zu einem Konzert ins Drake Hotel zu gehen.