Fahrradfahren im Winter Grüne Welle für Radfahrer

Auf dem Rad interagiert man mit den anderen Spielern um einen herum. Die griechische Gemüsefrau in Haidhausen, bei der ich auf dem Weg oft halte. Die Ente, die sich an der Isar mit einem Bein in einem rostigen Draht verfangen hatte. Die niederländischen Männer abends am Regerplatz, die das Hofbräuhaus suchten: "Wij sin eine Delegation von de niederländisse Bierbrauer." Apropos Delegation: Die im Münchner Rathaus machen doch sicher ab und zu einen Betriebsausflug. Macht den nächstes Mal nach Kopenhagen und guckt euch dort an, was das wirklich heißt: fahrradfreundliche Stadt. Grüne Welle für Radfahrer. Doppelte Radlerspuren, fest installierte Aufpumpstationen. Fairer Platz auf der Straße statt dieser engen Rasierstreifen bei uns.

Treten, einfach weiter, Kinder, wie die Zeit vergeht, der Herbst passt zu Berg am Laim, die farblose Zweckarchitektur, die Ausfallstraßen, die Autos, die hier schneller fahren. Dazu passt noch eine letzte Studie, die unser Auto-, pardon Verkehrsminister Peter Ramsauer selbst in Auftrag gab, die ihm aber nach der Anfertigung nicht wirklich gefiel. Der Bund wurde darin nämlich "aufgefordert, dringend zu überprüfen, ob die innerstädtische Regelhöchstgeschwindigkeit von Tempo 50 in Anbetracht des zunehmenden Radverkehrs noch zeitgemäß ist."

Endlich angekommen

Und noch eine letzte Sache, ich bin ja jetzt auch endlich angekommen, wieder mitten im tiefsten Winter, in Berg am Laim: Die Architekten haben vor den schwarzen Turm, in dem unser Verlag seit einigen Jahren untergebracht ist, noch einen schwarzen Platz gezaubert, der ungefähr 900 Meter lang ist und sich vielleicht für paramilitärische Aufmärsche großer Formationen eignet, aber bestimmt nicht für den morgendlichen Gang ins Büro. Man schrumpft auf jedem der 900 Meter noch ein kleines Stück weiter, der Turm wird immer größer, die Mitarbeiter werden immer kleiner. Vielleicht soll das ja so sein.

Mit dem Fahrrad überliste ich jedenfalls diese elend öde Architektur, fahre hintenrum in die Tiefgarage, tauche zwei Minuten später wie von Zauberhand in der Eingangshalle auf, schwebe mit dem Lift in den 19. Stock und fange an zu schreiben: texten, atmen, texten.