Fahrrad Faltrad? Klingt nach Origami

Modelle des Brompton H6LD und Tern Vektron

(Foto: Hersteller: Brompton Bicycle Limited und Tern)

Zusammenklappbare Fahrräder können für Pendler eine gute Lösung sein. Die Räder sind ausgefeilt und stabil - doch kämpfen die Hersteller mit einem Image-Problem.

Test von Thomas Hummel

An der S-Bahn-Station Laim in München neigen die Menschen nicht zur Neugier. Oder gar spontaner Kommunikation mit einem Mitfahrer, der ein quadratisches Gestell von der Größe eines Umzugskartons aus dem Zug herauszieht. Sie könnten natürlich fragen: "Ist das nicht ein Klapprad?" Aber sie blicken nur kurz hoch von ihren Smartphones, rüber zu dem Fremden, der dabei ist, auf dem Bahnsteig aus dem Gestell ein Fahrrad zu basteln.

Lenker ausklappen, Rahmenscharnier zusammenfügen, Sattel ausfahren - die Grundzüge sind bei den aktuellen Herstellern ähnlich. Schwuppdiwupp steht ein ganzes Fahrrad da und der Besitzer darf sich ein bisschen wie Daniel Düsentrieb fühlen.

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Branchenführer wie Tern, Brompton oder Dahon würden den Menschen am Bahnhof Laim natürlich zurufen, dass dies kein Klapprad sei. Die gab es in den siebziger Jahren und die meisten davon waren - wie der Name schon sagt - eher klapprig. Was heutzutage aus einer S-Bahn getragen wird, heißt Faltrad. Das klingt nach Origami, nach Stil und feinem Material. Die richtige Public-Relation-Strategie ist oft genauso wichtig wie das Produkt selbst.

Gibt es etwas Praktischeres als ein Fahrrad zum Zusammenfalten?

Dabei möchte man meinen, zusammenklappbare oder faltbare Räder brauchen gar keine PR. Gibt es etwas Praktischeres als ein Fahrrad, das man mit ein wenig Übung binnen zwei Minuten auf die Größe eines Koffers reduzieren kann? In unserer Pendler-Welt bieten sich einige Anwendungsmöglichkeiten: Von zu Hause aus zum Bahnhof radeln, Gerät zusammenfalten und hinein in den Zug oder in die S-Bahn (ein gefaltetes Rad gilt als Gepäckstück und erfordert keinen Extra-Fahrschein). Nach Ankunft am Ziel-Bahnhof das Rad wieder entfalten und ab zur Arbeitsstelle. Man muss sein Fahrrad nicht mehr am Bahnhof im überfüllten Fahrradparkplatz abstellen, wo es je nach Standort zu Vandalismus kommen kann. Auch im Keller nimmt es kaum Platz weg, wenn vor dem Mietshaus im Ständer mal wieder kein Platz mehr ist.

Wer nach der Arbeit die Kinder am anderen Ende der Stadt vom Sportverein abholen muss, für den kann die Kombination öffentliches Verkehrsmittel/Faltrad unschlagbar sein. Manchmal kann der Radler auch einfach schnell in die Trambahn springen, wenn sich ein Gewitterschauer zusammenbraut. Manche nehmen die Falträder mit in den Urlaub und sparen sich einen Dachständer. Für längere Touren oder gar Querfeldein-Fahrten sind die Falträder allerdings nicht ideal, das gibt der Fahrkomfort nicht her.

Nachfrage auf niedrigem Niveau

Trotz seiner vielen Einsatzmöglichkeiten ist das Faltrad ein Nischenprodukt. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) rechnet nicht einmal genau aus, wie hoch der Anteil an Gesamtzahl verkaufter Fahrräder in Deutschland liegt. Falträder fallen unter "Sonstige", die im Jahr 2016 zwei Prozent aller verkauften Modelle ausmachten. Sie teilen sich die Kategorie mit den sogenannten Lastenrädern (z. B. Posträder oder mit Sitzmöglichkeiten für Kinder) und den schicken Singlespeed. "Der Verkaufsanteil der Falträder beträgt sicherlich unter ein Prozent", sagt David Eisenberger, Pressesprecher beim ZIV. Er glaubt, diese Modelle seien oft ein Zweitrad für den speziellen Gebrauch. Er könne gefühlt von einer steigenden Nachfrage berichten, "aber auf niedrigem Niveau".

Noch aus den siebziger Jahren rührt das Image, dass zusammenklappbare Räder nichts taugen. Damals verschleuderte die Branche ihre Modelle teilweise in Supermärkten, weitere Strecken wollte man damit nicht zurücklegen. Gegen dieses Image kämpfen die Hersteller seit Jahren an.