Fahrbericht Tesla Model S Elektrisch, geräumig, unvernünftig

Das Tesla Model S kostet in Deutschland mindestens 65 740 Euro.

(Foto: Tesla Motors)

Kein Spritverbrauch, kein stinkender Auspuff, dafür viel Platz und sportliche Fahrleistungen: Das Tesla Model S ist ein Elektroauto, wie man es sich wünscht. Doch es könnte noch besser sein.

Von Jochen Arntz

Beginnen wir mal mit einer Liste der Dinge, die das Model S von Tesla nicht kann. Sie ist eher kurz. Man kann mit dem Elektro-Auto nicht in einem Rutsch von München in die Toskana fahren, und es macht auch keine besseren Menschen aus seinen Besitzern. Letzteres haben die Leute von Tesla auch nicht versprochen. Obwohl es sich manchmal so anfühlt, wenn man mit einer Jugend-Hockeymannschaft, mit sechs Kindern in einer Sportlimousine, lautlos und ohne einen Hauch Abgas zu hinterlassen vom Parkplatz davonrollt.

Zugegeben, darum geht es eher selten im Leben, dass man viele Kinder in ein schnelles Auto packt, doch auch das funktioniert im Tesla gut, weil das Auto vorne und hinten einen Kofferraum hat, also: zwei. Wenn dann hinten zwei Kinder auf zusätzlichen Klappsitzen im Kofferraum hocken, ist vorne immer noch Platz für die Sporttaschen. Was zeigt, dass ein Elektromotor auch praktisch ist, weil er den Menschen keinen Platz wegnimmt im Auto.

Herzstück des Bedienkonzeptes ist ein riesiger Touchscreen, welcher der Google-Bedienlogik folgt.

(Foto: Tesla Motors)

Jetzt tut sich was

Und wenn man mit der ganzen großen Batteriepackung des Model S auch nicht ohne Nachzuladen nach Florenz kommt, dann bringt das Auto die Hockeymannschaft doch locker aus München zu einem Turnier in Garmisch - und wieder zurück. Gut dreihundert Kilometer gehen mit vollen Batterien immer. Und das ist eine Zahl, die schon so groß ist, dass man sie als normaler Autonutzer schnell vergisst. Denn wenn man nicht gerade Vertreter ist, fährt man selten mehr als dreihundert Kilometer am Tag. Beim leider ansonsten sehr unterschätzten Opel Ampera, einem Elektropionier, war man ja froh, wenn die Batterieladung von der Innenstadt bis zum Münchner Südkreuz reichte. Bei den Prototypen des Elektro-Minis war das auch nicht viel anders. Jetzt aber tut sich was.

"Ich habe die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen", schrieb ein Musikkritiker in den Siebzigerjahren. Ganz so ist es beim Modell S von Tesla vielleicht nicht, aber es ist wohl das beste Elektroauto, das man in der schnöden Gegenwart kaufen kann. Auch deshalb, weil es gar nicht so vernünftig ist. Denn alle, die mit dem Tesla bessere Menschen werden möchten, sollten gewarnt sein. Dieses Auto ist ein Sportwagen mit bis zu 400 PS an der Hinterachse und der Elektromotor sorgt für eine derart brachiale Beschleunigung, dass man die meisten 911er und auch fast jedes Motorrad an der Ampel stehen lässt - wenn man mal ohne die Hockeykinder unterwegs ist, und es unvernünftigerweise ausprobieren möchte.

Elektrische Erfahrungen

Die Vorbehalte gegen Elektroautos sind groß. Der Alltagstest des BMW i3 und Toyota Prius Plug-in-Hybrid zeigt, dass es auch ohne Sprit geht. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen, sonst überlagert Reichweitenangst den Fahrspaß. Von Thomas Harloff mehr ...

Kurvige Passstraßen als Erlebnis

Man freut sich auch auf jede kurvige Passstraße hinter Garmisch. Weil der niedrige Schwerpunkt, den die Batterien im Boden mit sich bringen, und das hervorragend abgestimmte Fahrwerk (ja, auch das gibt es jetzt bei amerikanischen Autos) die Sache zum Erlebnis werden lassen. Zumal man in den Bergen und auf Landstraßen durch das häufige Bremsen und Verzögern im Gefälle auch noch Gutes tut, denn so gewinnt das Auto Energie zurück, Rekuperation nennt man das. Die Batterien werden geladen. Das stellt das herkömmliche Denken ein wenig auf den Kopf: Ein Verbrennungsmotor ist im konstanten Tempo am sparsamsten. Bei einem Elektroauto könne auch Tempowechsel und Schubphasen als Energiequelle genutzt werden.

Auf langen, freien Autobahnstrecken verliert der Tesla am meisten Strom, weil er nichts zurückgewinnen kann durch die Energie, die beim Bremsen entsteht. In der Stadt aber, wo herkömmliche Autos eher viel Kraftstoff verbrauchen, lädt das Elektrosystem sich teilweise selber auf.

Strom fürs Volk

Elektroautos sind im deutschen Straßenbild - wohlwollend ausgedrückt - eine Randerscheinung. Der VW Golf mit E-Antrieb soll das von Sommer an ändern. Erste Probefahrt in einem Auto, das teuer ist, aber vieles richtig macht. Von Thomas Harloff mehr ...

Der Tesla ist gut, könnte aber noch besser sein

Selbstverständlich, es gibt auch am Model S Dinge, die man besser machen könnte. Die Verarbeitung ist in vielen Details nicht gerade akkurat, die Windgeräusche sind ab einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern in der Stunde so laut, dass es eigentlich egal ist, ob der Motor ein Geräusch von sich gibt oder nicht. Die mannigfachen Anzeigen auf dem riesigen Monitor in der Mittelkonsole überfordern wahrscheinlich die meisten Menschen. Der Preis für das Auto ist hoch, und wie lange die Batterien halten werden - fünf Jahre, zehn Jahre? - , das lässt sich noch nicht genau sagen.

Aber immerhin: für heute, für die Gegenwart hat Tesla ein Elektroauto gebaut, das nicht so aussieht wie ein Designer-Toaster und auch nicht die Straßenlage eines Strom-Caddys vom Golfplatz hat. Sicher, es kann immer noch alles besser werden, aber das hier, das Model S aus Kalifornien, ist schon gut. Zumindest besser als die Idee von Tesla, jetzt auch noch einen dicken Elektro-SUV zu bauen. Denn so viel ist klar: Ein SUV hat noch keinen Menschen besser gemacht.