Von Von Stefan Grundhoff

Mercedes hat für seine neue C-Klasse monatelang getrommelt. Der "Vertreter der Mittelklasse" soll in der neuen Generation zum omnipotenten Alleskönner mutieren. Gut sieht er ja aus.

"Die neue Mercedes-C-Klasse soll nicht dezent im Hintergrund spielen", leitet Mercedes-Chef Dieter Zetsche seine Rede ein: "Sie soll die erste Geige spielen." Bereits bei der Weltpremiere vor zwei Monaten überschlugen sich Ingenieure, Designer und Vorstand der schwäbischen Autobauer mit Superlativen. Jetzt ist die Probe aufs Exempel möglich.

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Sportlicher denn vordem, aber kein Extremsportler: die neue C-Klasse (© Foto: DaimlerChrysler)

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Aussehen, Verarbeitung, Platzangebot: Da gibt es bei dem neu gebackenen Konkurrenten von 3er-BMW und Audi A4 nichts zu meckern. Die echten Qualitäten zeigen sich jedoch auf der Straße. Unser Testwagen war strahlend weiß - nicht gerade massentauglich, aber derzeit scheinbar ein Muss in den internationalen Kreativabteilungen. Innen gab es wohltuend schwarzes Leder, bequeme Sitze und eine nahezu perfekte Bedienbarkeit. Etwas mehr Pfiff bei der Gestaltung des Armaturenbretts würden sich allerdings vor allem Piloten unter der magischen 50-Jahre-Grenze wünschen.

Vertrauensbildende Maßnahmen

Aber was soll's? Mercedes kennt seine Kunden und ihren Geschmack besser als alle anderen. Die Käufer der Limousine haben ein Durchschnittsalter von 56 Jahren. Bei dem im Herbst folgenden T-Modell ist die Klientel immerhin sieben Jahre jünger. Mit der neuen Mercedes-Mittelklasse will man nun jüngere Kunden ansprechen.

Lenkrad, Schlüssel, Bedienelemente und Schaltung - alles vertraut. Wenn etwas auffällt, dann der Navigationsbildschirm, der ähnlich wie beim Audi A8 aus der Mittelkonsole ausfährt und über alles Wichtige informiert, was nicht mehr in das Info-Display im zentralen Rundtacho passt.

Neben dem Klappbildschirm überraschen am neuen "C" die Triebwerke - indem sie nicht überraschen. Die neue C-Klasse wurde in den vergangenen vier Jahren von Grund auf neu entwickelt. Bis auf die nahezu identische Vorderachse blieb nichts beim Alten - doch neue Triebwerke sucht man in der Datentabelle vergeblich. Okay, modifiziert wurde hie und da. Doch wirklich Innovatives wird es erst nächstes Jahr mit dem C 220 Bluetec geben. Der soll trotz 170 PS und unter Einhaltung der erst vom Jahr 2015 an verbindlichen Schadstoffklasse Euro-6 nur 5,5 Liter verbrauchen.

Kein Extremsportler

"Die neue Generation hat mehr als 24 Millionen Testkilometer zurückgelegt", sagt Zetsche. "Das sind dreimal soviele wie beim Vorgänger." Dass der Neue nicht dreimal so gut fährt, liegt an dem seit 2000 gebauten Vorgänger selbst. Der alte C war vor allem nach der letzten Modellpflege ein exzellentes Auto ohne echte Schwächen. Mit Motoren und Ausstattungsvarianten für jeden und alles. Das macht es dem Neuen besonders schwer, sich - abgesehen vom Design - kraftvoll von ihm abzusetzen.

Er fährt sich gut. Lässig, souverän und in jeder Beziehung ohne Fehl und Tadel. Doch so sportlich wie Zetsche seinerzeit proklamiert hatte, ist er nicht. Das liegt nicht nur an der grundsätzlich komfortorientierten Fahrwerksabstimmung, sondern insbesondere an der Lenkung, die nicht an das avisierte Referenzmodell 3er-BMW heranreicht. Die Lenkung ist vor allem bei flotter Fahrt zu leichtgängig und lässt Kontakt zur Straße vermissen.

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