Fahrbericht Stabiler als der Vorgänger, agiler als der M4

Der Märchenonkel der Bayrischen Motorenwerke nennt einen Mixverbrauch von 8,5 Liter, doch die Praxis ist durchgängig zweistellig. Kein Wunder, dass man bei verschärfter Gangart mit einer 52-Liter-Tankfüllung kaum 300 km weit kommt. Zurückhaltung fällt trotzdem schwer, denn der Vierventiler legt selbst im oberen Tempobereich kräftig zu.

Bei hoher Geschwindigkeit wirkt der M2 deutlich richtungsstabiler als das fahrige Einser M Coupé. Gleichzeitig bringt der im Vergleich zum M4 kürzere Radstand spürbar mehr Leben in die Bewegung um die Hochachse. Diese Agilität bestimmt auch das spontane und trotzdem berechenbare Eigenlenkverhalten. Schlupf gehört zur Gestik des M2 wie die Pappnase zum Fasching, doch so richtig ausleben kann sich der Breitspur-Zweier eigentlich erst mit ausgeschalteter Stabilitätskontrolle. Anders als der härter abgestimmte und noch zackigere M4 gefällt der kleine Bruder durch sämigere und verbindlichere Bewegungsabläufe. Das Einlenken zeigt etwas weniger Schärfe, die Reaktionen im Grenzbereich sind progressiver, die nicht verstellbare Feder-Dämpfer-Abstimmung hat sich einen gewissen Restkomfort bewahrt, die dynamische Balance stimmt bis auf die Stelle hinter dem Komma.

Föhnwelle für Fortgeschrittene

Der offene BMW Zweier ist deutlich besser als sein Vorgänger und kann eigentlich alles. Dennoch erfordert das Cabrio Verzicht, wenn man weniger als 50 000 Euro ausgeben möchte. Von Michael Specht mehr ... Test

Mal gleichmütig, mal wütend

Schwächen? Die Beinfreiheit im Fond ist ein Scherz, die verschlimmbesserten M-Instrumente sind schlechter ablesbar, die Materialqualität im Innenraum passt nicht zum Anspruch der Marke. Dass Keramikbremsen, Allradantrieb, Karbondach und weitere Assistenzsysteme in der Ausstattungsliste fehlen, stört uns weniger als die Abwesenheit von Head-up-Display und adaptiven LED-Scheinwerfern.

Im M2 lernen selbst alte Hasen das Autofahren neu. Nicht zu früh einlenken, den Drehmomentfluss mit Bedacht regulieren, in den kleinen Gängen nicht bis an den Begrenzer drehen, immer schön den Schwung mitnehmen. Spät bremsen ist okay, aber dafür sollte man die Lenkung beizeiten aufmachen und dem Coupé stets genug Spielraum geben für den illustren Viersatz aus Haftung, Querbeschleunigung, Richtung und Drehmoment. Die Geräuschkulisse reicht dabei von gleichmütig bis wütend, von mit sich selbst im Reinen sein bis Adrenalin ausschütten.

Was spricht dagegen, einen M2 zu bestellen? Nicht viel. Außer vielleicht der noch geheime M2 CS, der in rund drei Jahren die 370-PS-Variante beerben könnte als eine Art Überflieger, nicht unähnlich dem M3 CSL des E46. Mit mehr als 400 PS spielt der CS natürlich leistungsmäßig und preislich in einer anderen Liga. Sie werden ihn wohl limitieren müssen und damit ein weiteres Spekulationsobjekt schaffen, das in den Hallen reicher Sammler verdämmert. Also doch den M2 - oder sich auf die Suche machen nach einem Exemplar des besten M3, den es je gab.

Aufregend, aber nicht gelassen

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