Fahrbericht: Brilliance BS6 2.0 Preiswert ist er ja
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Lange wurde es angekündigt, jetzt ist es eingetroffen: Europa hat sein erstes China-Auto. Der Brilliance BS6 hat viel Platz, ist gut ausgestattet und wie erwartet ein echter Preishammer. Mehr leider noch nicht.
Hübsch ist er, der BS6. Die schmucken Linien stammen aus der Feder des italienischen Automobildesigners Giugiaro. Die 4,88 Meter lange Limousine ist elegant, aber unauffällig. Geräumig, aber nicht protzig. Gäbe es nicht das rätselhafte Logo am Kühlergrill, würde der BS6 glatt im Straßenverkehr untergehen. Im Zentrum des verschlungenen Firmenlogos aber kann der Hobby-Sinologe ein chinesisches Schriftzeichen entdecken, das soviel bedeutet wie "Mitte" oder "Zentrum".
Unauffällig, aber elegant: der Brilliance BS6 2.0
(Foto: Foto: pressinform)Begeben wir uns also ins Zentrum, in das der Arbeit - hinters Steuer. Für die erste Testfahrt wählten wir die Basisversion 2.0 Comfort mit 122 PS. Und genossen den Chinesen-Kreuzer erst einmal mit allen Sinnen. Das Interieur unseres Testwagens verströmte einen unangenehmen Geruch, so, als würden irgendwo noch die Kunststoffe ausdünsten. Woher der Duft rührte, ließ sich nicht ermitteln.
Schattenseiten zuerst
Fürs Auge hielt das Armaturenbrett zum Teil mutige Spaltmaße bereit. Die Farben der Kunststoffe und Polster erinnern an französische Limousinen vergangener Jahrzehnte. Ebenso die Sitze: weich und flauschig, kaum Seitenhalt und alles andere als atmungsaktiv. Der knochige Lenkradkranz liegt unbequem in der Hand, ebenso der Schaltknüppel, dessen klebrige Kunststoffoberfläche irgendwie an Lakritze erinnert. Hier müssen die Chinesen noch gewaltig nachbessern.
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Während der erste Eindruck enttäuscht, offenbart der BS6 nach und nach seine guten Seiten. Das Platzangebot ist sehr großzügig, auch im Fond lebt es sich ausgesprochen bequem. Mit praktischen Ablagen und Becher-Haltern, einer 12-Volt-Steckdose und den übersichtlich gestalteten Schaltern und Knöpfen sammelt der Chinese weitere Pluspunkte.
Allerdings sind die Schalter für Klimaanlage und Heckscheibenheizung so schwach beleuchtet, dass man am Tag nicht sieht, ob die jeweilige Funktion nun arbeitet oder nicht. Wer einen Brilliance kauft, sollte sich ohnehin für die Top-Variante Deluxe entscheiden. Mit Lederausstattung und durchgehender Holzverkleidung am Armaturenbrett wirkt das Passagierabteil deutlich höherwertig als bei der Basisversion.
Einfacher Vortrieb
Beeindruckend ist der riesige Kofferraum: 550 Liter schluckt das Gepäckabteil, genug für einen lebenslangen Vorrat an Glückskeksen. Damit schlägt der BS6 sogar den 5er-BMW, Skoda Superb oder Audi A6. Unter der Abdeckmatte schlummert ein vollwertiges Reserverad. Die Ladekante des Luxus-Chinesen ist allerdings recht hoch, und es fehlt eine Griffmulde an der Innenseite.
Das Interieur hinterlässt also einen durchwachsenen Eindruck - aber ein Newcomer aus Fernost verdient eine zweite Chance. Allerdings muss er dazu seine Fahrkünste unter Beweis stellen. Beim Drehen des Zündschlüssels erwacht ein 122 PS starker Vierzylinder zum Leben. Der Motor stammt aus einem - offenbar schon ziemlich angestaubten - Mitsubishi-Regal.
Der phlegmatische Antritt lässt schnell vermuten, woran es dem immerhin zwei Liter großen Aggregat mangelt: Drehmoment. 170 Newtonmeter stemmt der Chinese auf die Kurbelwelle. Zahlreiche Zweiliter-Maschinen der Konkurrenz haben da wesentlich mehr drauf. Die größere 2,4-Liter-Maschine mit 130 PS schafft immerhin 195 Newtonmeter.