Von Von Sebastian Viehmann

Bei der Karosserie des neuen X3 hat BMW nur ein bisschen Make-up aufgefrischt. Aber unter der Haube des Allradlers ist viel geschehen: Der 3.0sd Twinturbo schiebt die Messlatte für Diesel-Kraft ein deutliches Stück nach oben.

Der X3 ist BMWs Glücksgriff. Mehr als eine Viertelmillionen Exemplare haben innerhalb von nur zweieinhalb Jahren ihre Käufer gefunden. In Deutschland war der X3 vergangenes Jahr die Nummer Eins im SUV-Segment. Beim Facelift sind die Münchner darum sehr behutsam vorgegangen. Leicht veränderte Scheinwerfer, etwas nach außen versetzte Nebelleuchten, zweigeteilte Stoßfänger - viel mehr hat sich nicht getan.

Beim Facelift sind die Münchner sehr behutsam vorgegangen. Leicht veränderte Scheinwerfer, etwas nach außen versetzte Nebelleuchten, zweigeteilte Stoßfänger - viel mehr hat sich nicht getan. (© Foto: BMW)

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Auch im Innenraum sind keine nennenswerten Änderungen auszumachen. Allerdings hat BMW für das Armaturenbrett neue Materialien verwendet, die sich wesentlich angenehmer anfühlen als beim Plastik-lastigen Vorgänger. Das Cockpit wirkt nach wie vor aufgeräumt und eher nüchtern.

Platz bietet der X3 vorn und hinten reichlich, die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen, die Sitze sind straff gepolstert. Mit der gut einsehbaren Motorhaube und der durchbrochenen C-Säule bietet der X3 den Insassen eine bessere Übersicht als viele seiner SUV-Kollegen. Bei der Sound-Auswahl für die Einparkhilfe hätte BMW allerdings einen freundlicheren Ton aus dem Computer zaubern können - das schrille Fiepen schmeichelt nicht gerade den Ohren.

Technische Neuregelung

Zum ersten Mal schlägt im Top-Modell des X3 ein Dieselherz. Der 3.0sd leistet 286 PS und schöpft Zusatz-Kraft aus zwei Turboladern. Während BMWs Benziner-Twinturbo auf parallele Aufladung setzt - ein Lader ist jeweils für drei Zylinder zuständig -, arbeitet der sd mit einer Stufen-Aufladung.

Das Problem gewöhnlicher Abgas-Turbolader ist die richtige Turbinengröße: Ein kleiner Lader spricht schneller an, bringt aber nur begrenzte Mehrleistung. Ein großer Lader kann gewaltige Mengen heißer Abgase verarbeiten, setzt sich aber wegen des größeren Trägheitsmoments langsamer in Bewegung.

Mit dem Twinturbo hat BMW die Lösung gefunden: Eine kleine und eine größere Turbine teilen sich die Arbeit auf. Bei niedrigen Drehzahlen dreht nur die kleine ihre Runden, wird mehr Drehzahl verlangt, kommt der große Bruder dazu. Das maximale Drehmoment des 3.0sd - satte 580 Newtonmeter - liegt bereits bei 1750 Umdrehungen an.

Durchzugskraft serienmäßig

Das Ergebnis ist ein Motor, bei dem man schon auf den Diesel-Schriftzug in der Tankuhr schauen muss, um die Herkunft zu erkennen. Die Maschine schnurrt seidenweich und auch bei höheren Drehzahlen extrem leise. Der sonore Motorensound erinnert eher an einen gedämpften V6 als an einen Diesel. Vor allem beim Überholen auf der Landstraße leistet der Twinturbo in Verbindung mit der serienmäßigen und verbesserten Sechsgang-Automatik ausgezeichnete Dienste.

Hohes Gewicht und das berüchtigte Turboloch ziehen bei vielen Diesel-SUVs den Überholvorgang in die Länge. Der 3.0sd hingegen stellt die Kraft ohne spürbare Verzögerung bereit. Dazu schaltet die Automatik so schnell, dass beim Kickdown der Kick auch sofort zur Verfügung steht. Beim klassischen Überhol-Spurt von 80 auf 120 Km/h vergehen im vierten Gang weniger als sechs Sekunden. Der Sprint von Null auf 100 geht in 6,6 Sekunden über die Bühne - zwei Zehntel weniger als beim Porsche Cayenne S. Und der hat einen V8 mit 340 PS unter der Haube.

Zur sportlichen Fahrweise passen das straffe Fahrwerk und die direkte Lenkung. So lässt sich der knapp zwei Tonnen schwere X3 flotter durch die Kurven bewegen als ein Captiva, Santa Fé oder XC90, die mit weicher Fahrwerksauslegung und tendenziell schwammiger Lenkung eher zum gemütlichen Cruisen taugen.

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