EU-Initiative für Elektroautos Die EU fordert einen Kraftakt

Kallas' Papier fordert einen Kraftakt: Allein in Deutschland sollen 150.000 neue Ladestationen entstehen, in ganz Europa Hunderttausende. Ein neues Netz von Erd- und Flüssiggastankstellen soll in sieben Jahren neben den herkömmlichen Zapfsäulen Alternativ-Kraftstoffe anbieten. Und auch für Schiffe will die EU in allen großen Häfen des Kontinents ein vergleichbares System errichten.

Brüssel macht klar: Mit aller Energie will man den Transportsektor aus der Abhängigkeit vom Öl lösen. Ein Viertel aller energiebedingten Treibhausemissionen kommt aus den Auspuffen auf Europas Straßen - nur die Energiebranche produziert mehr vom Klimakiller CO2. Der Straßenverkehr steht damit auch für die Sucht der Industrienationen nach jener knappen Ressource, die die Welt immer schneller dezimiert. Die Politik weiß seit langem um die Not der Entwöhnung und verdrängte doch die nötigen Konsequenzen, während Rohstoffkonzerne tiefer und mit waghalsigeren Methoden nach dem begehrten und immer teureren Rohstoff graben.

Brüssel weiß: Der Entzug wird schmerzhaft

Den Regierungen Europas bleibt nun gar keine andere Wahl, als die Revolution auf der Straße noch mal auszurufen. Brüssel weiß: Der Entzug wird schmerzhaft. Aber je länger man weitermacht wie bisher, je länger man mit dem Bremsen wartet, desto riskanter und teurer wird das Wende-Manöver.

Der Vorstoß der EU bleibt dennoch nur ein erster Schritt. Noch fehlt es an vielem beim Umbau des Verkehrswesens - nicht nur an Zapfsäulen: Trotz jahrelanger Forschung gibt es noch keine günstigen, kleinen und leistungsfähigen Batterien. Und umweltfreundlich sind alternative Antriebe auch nur, wenn sie aus grünen Quellen wie Wind- und Sonnenstrom oder Biogas gespeist werden. Wer den Umbau bezahlen soll? Wir nicht, erklärt die EU. Der Privatsektor sei nun gefragt. Doch solange die Politik die ersten Schritte nicht selbst in die Hand nimmt, droht vor allem eins: Die nächste Runde im Teufelskreis.