Entwicklung von Mitfahrzentralen Zwischen Tradition und Gebühren

Anrufen, einsteigen und los: Viele Mitfahrer schätzen die unverbindliche Kontaktaufnahme mit einem Fahrer.

(Foto: dpa-tmn)

Das Ziel eingeben, einen Fahrer anrufen und den Treffpunkt ausmachen - so funktionieren die meisten Mitfahrzentralen. Der Platzhirsch setzt nun auf Gebühren und ein automatisiertes Buchungssystem. Vielen Nutzern gefällt das nicht. Nun kommt der Markt in Bewegung.

Der Aufschrei kam schnell, und er war laut: Als der Anbieter Mitfahrgelegenheit.de Ende März verkündete, eine Gebühr zu erheben, zeigten sich viele Nutzer entrüstet. Vor allem im Internet entlud sich der Zorn. Auf Facebook wurde gleich eine Protest-Seite eingerichtet, die zum Boykott aufrief. "Wir haben mit derartigen Reaktionen gerechnet", sagt Sprecher Thomas Rosenthal von Mitfahrgelegenheit.de. "Verwundert waren wir zum Teil über den Ton, der besonders in den sozialen Medien angeschlagen wurde."

Fahrtenanbieter müssen auf Mitfahrgelegenheit.de nun bei Strecken über 100 Kilometer elf Prozent des Fahrpreises pro Mitfahrer an die Betreiber des Portals zahlen. Der technische und personelle Aufwand mache die Gebühr notwendig, erklärt Rosenthal. Darüber hinaus müssen sich Nutzer registrieren und können Fahrten nur noch verbindlich über das Internet buchen. Bislang ist es bei den meisten Anbietern so, dass Fahrer und Mitfahrer sich lose über das Handy verabreden. Das Risiko: Man wird einfach stehengelassen. Mitfahrgelegenheit.de erregte durch seinen Vorstoß offenbar so viel Unmut, dass sich prompt zwei Wettbewerber gründeten.

So einfach wie möglich

Stephan Grätz von Bessermitfahren.de sieht seine kostenlose Plattform als unmittelbare Reaktion auf die neue Gebühr der Konkurrenz. Das Prinzip lautet: "So einfach wie möglich." Nutzer müssen sich auf der Plattform nicht registrieren. Schließlich sei "ein einfaches Konto keine Garantie dafür, dass die Daten auch stimmen", argumentiert er. Im April startete außerdem der deutsche Ableger von Blablacar als kostenlose Alternative zu Mitfahrgelegenheit.de. Es gibt zwar kein Buchungssystem, aber Mitfahrer müssen sich dort registrieren und ihre Handynummer verifizieren. Der Dienst bietet ein Bewertungssystem für Fahrer und Mitfahrer sowie die Option "Ladies only": Frauen können sich entscheiden, nur mit anderen Frauen das Auto zu teilen.

Viele nutzen Mitfahrgelegenheiten bisher für weite Entfernungen - das Potenzial auf Kurz- und Mittelstrecken ist noch groß.

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Es sieht im Moment danach aus, dass sich der Mitfahr-Markt in zwei Richtungen entwickelt. Auf der einen Seite steht der kostenpflichtige Platzhirsch mit standarisiertem Buchungssystem. Auf der anderen Seite stehen die kostenlosen Dienste, darunter auch Drive2day oder Mitfahrzentrale.de, die eine Vermittlung dem Fahrer und seinen Mitfahrern überlassen. Auch wenn viele dieser Anbieter ihre Dienste ausbauen - Geld von den Nutzern will keiner von ihnen nehmen.