Elektromobilität Bei Daimler, Ford oder VW stieß die Post auf taube Ohren

Produziert werden die Fahrzeuge in Nordrhein-Westfalen bei der Streetscooter GmbH, einem ehemaligen Start-up der RWTH Aachen, das die Post im Jahr 2014 übernommen hat. Zuvor hatten die DHL-Manager das Gespräch mit der Autoindustrie gesucht, hatten angefragt, wer bereit und fähig sei, relativ rasch eine große Menge an alltagstauglichen Transportern mit E-Antrieb zu liefern. Denn der Druck auf die Zustellbranche steigt: Weil immer mehr Kunden im Internet Waren ordern, wächst die Zahl der Zustellautos auf den Straßen. Strategen bei DHL, aber auch bei den Konkurrenten UPS, Hermes oder GLS befürchten, dass irgendwann erste Kommunen den Firmen strenge Auflagen machen - und aus Gründen der Luftreinhaltung beispielsweise Lieferfahrzeugen mit zu hohem Schadstoffausstoß die Einfahrt in die Innenstädte verweigern.

Doch bei Herstellern wie Daimler, Ford oder VW drangen die Post-Leute kaum durch. So entschieden sie sich, die Fahrzeuge selbst zu produzieren. Und vermutlich gab noch ein weiterer Grund den Ausschlag: So hat das Bundesumweltministerium die ersten 1000 Scooter mit 9,5 Millionen Euro Fördergeld unterstützt.

Fährt die Post mit "grünem" Strom oder nicht?

Mittlerweile läuft die Serienproduktion - in verschiedenen Varianten. Das Modell "Work", das in etwa so groß ist wie ein VW Caddy, nutzt die Post vor allem in ländlichen Regionen, in denen ein Zusteller jeweils Briefe und Pakete zusammen austrägt. Zusätzlich zur geräumigeren Variante, dem Typ "Work L", wird derzeit ein noch größeres Modell entwickelt. "Hauptthema ist die weitere Reduktion der Kosten", sagt Hugo Gimber von DHL. Man wolle die "Ergonomie und Nutzbarkeit gemeinsam mit unseren Zustellern weiter verbessern".

Doch bei aller Euphorie gibt es auch Kritik am "grünen Flitzer" des gelben Logistikriesen. So stört sich das kritische Internetforum Klimalügendetektor an der Werbeaussage, der Scooter fahre zu 100 Prozent elektrisch und vollständig C0₂-frei. Bei eigenen Recherchen will man herausgefunden haben, dass die Post sogenannten RECS-Strom (Renewable Energy Certificate System) tankt - ein Zertifizierungssystem, das von den Kohlekonzernen Eon, RWE und Vattenfall mitbegründet worden sei. DHL-Sprecher Gimber widerspricht: "Die Behauptung, dass wir in Deutschland RECS-Strom nutzen, ist falsch. Seit mehreren Jahren verwenden wir in Deutschland Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien." Von welchem Anbieter der Strom aber letztendlich kommt, will er trotzdem nicht verraten. Aus "vertraglichen Gründen" lege man die Lieferanten nicht offen.

Der Hersteller wirbt um weitere Kunden

Doch warum produziert die Post ihren Strom nicht einfach selbst, indem sie ihre Paketzentren mit Photovoltaik-Anlagen ausstattet? "Teilweise tun wir das bereits", sagt Gimber. "Das geht aber nicht überall, da manche Gebäude nur angemietet sind und andere nicht genügend Dachlast haben." Ebenfalls unklar ist, ob die Post ihre E-Fahrzeuge in Zukunft auch an externe Interessenten verkaufen wird. Laut offiziellen Angaben ist darüber noch keine Entscheidung gefallen. Bei der Streetscooter GmbH scheint man sich aber schon etwas sicherer zu sein: "Wir bauen Ihre Elektroflotte", heißt es auf der Website der DHL-Tochter, was im nächsten Satz jedoch wieder relativiert wird: "Wir prüfen derzeit, unsere [...] Modelle sowohl gewerblichen als auch öffentlichen Kunden zum Erwerb zur Verfügung zu stellen." Zugleich fordert das Unternehmen mögliche Interessenten dazu auf, ihre Anfrage bereits heute nach Aachen zu schicken.

Klar ist, dass die Post langfristig ihre gesamte Flotte elektrisch betreiben möchte. Zu einem genauen Zeitpunkt äußert sich das Unternehmen noch nicht. Wenn die aktuelle Produktion von 10 000 Fahrzeugen pro Jahr beibehalten wird, dürfte es hochgerechnet etwa bis zum Jahr 2020 soweit sein. Es sei denn, ein Teil der Autos wird doch vorher an andere Kunden verkauft. Dann könnte es noch ein wenig länger dauern mit der C0₂-freien Zustellflotte.

Hinweis: Dieser Text erschein bereits im Februar, wurde aufgrund starken Leserinteresses aber nun erneut veröffentlicht.

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