Elektromobilität GM und Ford forcieren den Kulturschock

General Motors könnte die Studie Cadillac Escala zur Luxus-Limousine mit Batterieantrieb weiterentwickeln.

(Foto: General Motors)
  • Auf der New York Auto Show gewähren die drei großen US-Autokonzerne gerade Einblicke in ihre Elektrifizierungspläne.
  • Die Strategien sind dabei sehr unterschiedlich. Fiat-Chrysler plant nur mit wenigen Plug-in-Hybriden. Reine E-Autos spielen möglicherweise keine Rolle.
  • Anders Ford und GM. Beide Konzerne setzen stark auf Elektromobilität.
Von Georg Kacher

Digitalisierung, autonomes Fahren, Elektromobilität - diese Herausforderungen gelten länder- wie branchenübergreifend. Trotzdem sind die Industrienationen von weltumspannenden konzertierten Aktionen weit entfernt. Während sich etwa die Chinesen per Dekret den im Endstadium flächendeckenden E-Antrieb verordnet haben, verzichten die völlig anders gepolten USA bewusst auf eine adäquate Besteuerung fossiler Kraftstoffe.

Was das bedeutet, kann man in Manhattan erleben: Staus, Abgase, Einheitstaxis mit Benzinmotor bis 2023, gerade mal 16 Schnellladestationen, ein paar Dutzend E-Busse. Und jede Menge großvolumige Achtzylinder, sowohl draußen im Straßenverkehr als auch drinnen im Jacob Javitz Center, wo die New York Auto Show den Traum vom American Way of Driving weiterträumt, mit bis zu 6,2 Liter Hubraum und über 700 PS.

Darum haben US-Autos in Europa keine Chance

Trump liebäugelt mit Strafzöllen für deutsche Autos und will damit die eigenen Hersteller stärken. Doch US-Fahrzeuge und europäische Kunden, das sind zwei Welten. Von Thomas Fromm und Max Hägler mehr ...

Kein US-Hersteller profitiert von der ökofeindlichen Politik der Trump-Administration so nachhaltig wie FCA (Fiat Chrysler Automobile). Denn nur weil der Sprit viel zu billig ist, verkaufen sich die durstigen Jeep Off-Roader, die gewichtigen Ram Pick-ups und die brabbelnden Dodge Muscle-Cars unverändert gut. Das einzige grüne Feigenblatt auf der aktuellen FCA-Landkarte ist der Pacifica Plug-in-Hybrid, mit dem Chrysler vor allem in Kalifornien erfolgreich über seinen eigenen Imageschatten springt.

Weil der FCA-Chef Sergio Marchionne 2019 zu Ferrari wechseln und die einst marode Firma auf Hochglanz poliert übergeben will, wurden Investitionen drastisch zurückgefahren. Auf der Suche nach einem neuen vollelektrischen FCA-Produkt kommt man daher über den Maserati Alfieri bislang nicht hinaus, und selbst der ist noch ein Phantom. Marchionne hat zwar angekündigt, sich bis 2022 vom Diesel trennen zu wollen und die Hälfte des Portfolios zu elektrifizieren - aber damit sind möglicherweise ausschließlich Plug-in-Hybride gemeint.

Neue Plug-in-Hybride? Werden vor allem gestrichen

In Zusammenarbeit mit dem Zulieferer ZF haben die FCA-Ingenieure ein Plug-in-Modul konzipiert, das eine breite Palette abdeckt. Die Eckdaten für Leistung (53 kW) und Drehmoment (248 Newtonmeter) bleiben von Modell zu Modell nahezu unverändert, doch die Größe der Batterie (von zwölf bis 20 Kilowattstunden) orientiert sich am Fahrzeuggewicht. Auf der CES in Las Vegas hatte Chrysler die Elektrostudie Portal präsentiert. Zu den Kandidaten für die Doppelherz-Technik gehörten ursprünglich auch ein neuer Crossover (CUV) für Chrysler und Dodge (gestrichen), die neuen Jeep-Modelle Wagoneer und Grand Wagoneer (ebenfalls gestrichen) sowie die Nachfolger von Dodge Charger und Jeep Grand Cherokee (verschoben).

Die drohende Produktflaute wirft mittlerweile die Frage auf, wie es mit den US-Marken von FCA weitergehen soll. Gerüchteweise ist zu hören, dass Chrysler, Dodge und Ram langfristig nicht überleben können, und dass ein Verkauf von Jeep nach wie vor im Raum steht. Doch nachdem Gespräche mit VW, Great Wall und Hyundai (um nur einige zu nennen) bislang kein greifbares Ergebnis brachten, ist die Zukunft des Kleinsten der US-Big-Three ungewiss.

Ford plant 16 Elektroautos und 24 Hybridmodelle

Ford-Chef Jim Hackett hat vor kurzem in einer Grundsatzrede den Begriff Elektrifizierung für seine Marken präzisiert. Bis 2022 will Ford demzufolge 24 neue Hybridmodelle und 16 reine E-Autos bringen. Dafür nimmt Ford elf Milliarden Dollar in die Hand, schafft mit dem Team Edison eine eigene Task Force und stellt damit automatisch die etablierte Prozesskette infrage.

Während die gemeinsam mit Magna konzipierten Plug-in-Hybride im Mix mit weitgehend baugleichen Verbrennern vom Band laufen sollen, müssen die Anlagen für die Produktion der neu entwickelten Batterie-Fahrzeuge umgerüstet werden. Davon könnte auch das Kölner Werk betroffen sein, wo man eine skalierbare und entsprechend flexible Konvergenzplattform favorisiert, die mit unterschiedlichen Antriebsaggregaten individuell bestückt werden kann. Die Vorgaben für die Technikbausteine, deren Konfektionierung und die Abläufe werden von Detroit mitbestimmt.